Esben & The Witch

»Violet Cries«

Matador/Indigo

Nach dem Hexenhaus nun also »Nightmare Pop«. So nennen die aus Brighton stammenden Esben & The Witch ihre Musik, die sich vor allem durch Verwechslungen auszeichnet. Statt in den dunklem Nebelwald geht es hier auf benebelte grüne Wiesen, die sich auch in jedem romantischen Mystery-Thriller gut machen würden. Wie bei all den unsäglichen TV-Verfilmungen von Gruselstories ist das alles (etwa im Vergleich zu Salem) derart hell ausgeleuchtet, dass sich Schatten erst gar nicht manifestieren können. Nur, wo keine Schatten, da keine Phantome, keine unheimlichen Details, die plötzlich den Blick auf einen richten. Was bleibt ist ätherische Innerlichkeit und ebensolche Befindlichkeiten. Auch die Musik legt davon lautstark Zeugnis ab. Für den attestierten »Gothic-Postrock« fehlt ihnen schlicht das reflexive Moment und die dissidente Haltung gegenüber den beforschten Gegenständen. Stattdessen wird (zudem auch eher sehr brav) in den Zusammenhang geworfen, was eh offensichtlich ist. Eine Re/Neulektüre findet – wie bei so vielen jüngeren Bands – nicht statt. Es reicht ein kanonisiertes Wissen zwischen Portishead und »Twin Peaks« (auch wenn es hier eher nach den keuschen Vampiren aus »Twilight« riecht) um in selbstreferenzieller Gefälligkeit kein Anderes als sich selbst zulassen zu müssen. Damit sind Esben & The Witch symptomatisch für eine Popmusik, die glaubt einzig aus sich selbst heraus etwas auf die Reihe kriegen zu können. Angesichts der überdeterminierten Referenzhöllen bei Witch House (egal ob diese nun vorgeschoben sind oder nicht), kommt das alles weniger be- als gewitched daher. Nervt aber auch nicht wirklich. Es plätschert eher daher und lässt dabei die Frage nach dem Anklingen eines 1990s-Indie-Revival auch nicht gerade unbeantwortet. Vielleicht ist es ja auch die Unbedarftheit mit der hier gewerkelt wird, die das Interesse länger wach hält. Denn hier geht viel auf eine Kuhhaut, was sonst eigentlich noch nie wirklich zusammen gedacht wurde: My Bloody Valentine machen Fields Of The Nephilim, PIL machen Sisters Of Mercy, Siouxsie & The Banshees machen Jefferson Airplane (»Hexagons IV«), Sonic Youth machen Pink Floyd (»Chorea«), Portishead machen Hippiemystik. Möglich aber auch, dass sich all die genannten schon immer näher/ähnlicher waren, als wir es uns bisher eingestehen wollten. Solche Gedankengänge zu produzieren ist ja auch was.