RF | Helios

»Views of distant towns« | »Eingya«

Plop/Impartmaint/A-Musik | Type Records/Hausmusik

Ryan Francesconi hat mit seinem dritten Album eine akustische Liebeserklärung an Japan und Haruki Murakamis Charakter Toru (aus: »The Wind-Up Bird Chronicle«) gebastelt. In Japan und teilweise auch in seiner Heimat Kalifornien hat er eine ziemlich warm klingende Platte am Laptop geschaffen. Organische, analoge Klänge (perlende Gitarren, verhallte Stimmen und verhuschte Fieldrecordings) werden mit feinteiligen Software-Exkursionen kombiniert ohne auch nur einen Moment lang konstruiert oder digital effektheischend zu klingen. Dies verwundert vor allem vor dem Hintergrund, dass RF auch der Programmierer einer ziemlich sophisticated Musiksoftware ist. Seine Musik klingt aber wie eine Laptopversion von Talk Talks »Laughing Stock«, die sich am besten ganz nah am Ohr macht. Auch Helios, der mir den letzten Winter als »Goldmund« mit einer wunderbaren Pianoplatte im Stile von Hauschka oder Sylvain Chauveau verbesserte, weiß, wie man die Technik aus der Musik raushält: Auf »Eingya« befördert er sein einstiges IDM-Projekt in Klangsphären, die ebenfalls mit solchen Adjektiven wie warm, offen und knisternd beschrieben werden müssen. Sicherlich, der Einsatz von Fieldrecordings in dieser Art von Indietronics ist oft ein platter Versuch, Authentizität zu schaffen, doch hier klappt es. Zwei Platten mit wunderschöner Musik, beeinflusst von Folk, Klassik und Indierock, die eine tiefe Melancholie vermitteln.