Bernd Schurer

»Vexations«

domizil

Ein Motiv zu 18 Akkorden auf 13 Vierteln zugeordnet, 840-mal auf dem Piano repetiert: im Rückblick ist Eric Saties 1893 erdachtes Konzept frühstes Musikhappening. Nimmt man sich Schurers Neuerscheinung an, und die Titelgebung assoziert unweigerlich Saties Klavierstück, lässt man sich keineswegs auf musikalische »Plackereien» ein. Allesamt schön sind sie, diese 28 kurzen und kürzest Stücke. Plagen tun die Erwartungen, wann denn die Disharmonien nun doch noch jäh auftauchen, um das Ohr fies zu piesacken. Doch harmonische Brouillons, aus dem verstaubten Inneren eines Klimperkastens, entfernt einer nostalgischen Huldigung beikommend, werfen versöhnlich ihre Schatten. Vermutete Stillsitzexerzitien bleiben aus, Bernd Schurer rafft Pianoklang und Elektronik in exakt einer Stunde zusammen.

Eric Satie wies den Hörer damals an, den »vexations» keinerlei große Beachtung zu schenken … Schurer macht dies unausgesprochen umgekehrt. Die unaufdringlichen, elektroakustischen Ver- und Bearbeitungen laden zum Hinhören ein. Genauso gut könnte die Klarheit der Klänge in einem (Kunst-)Raum, ungeachtet einer Hörerschaft, solitär für sich ertönen. Was dann Saties Idee einer »Möbelmusik« nahe käme.