Here_It_Is_A_Tribute_To_Leonard_Cohen_Cover_Art.png
Various Artists

»Here It Is: A Tribute to Leonard Cohen«

Blue Note Records

Es ist gut dokumentiert, dass Leonard Cohen seinen anhaltenden Erfolg Coverversionen seiner Songs zu verdanken hat. Bemerkenswert an dieser Adaption ist jedoch, dass sich die Interpretationen regelmäßig in ein unversöhnliches Spannungsverhältnis mit dem Quellenmaterial verstricken. Nehmen wir das bekannte »Hallelujah«: Nicht selten wird der im Original fast zögerliche Vers von der »kalten und gebrochenen« Lobpreisung zur inbrünstigen Demonstration von Stimmakrobatik, Cohens schnörkellose Akkordfolge zur Arabeske. Entsprechend argwöhnisch war ich auch, als mich skug-Herausgeber Alfred auf das neue Tribute-Album »Here It Is« aufmerksam machte. Doch mit konzeptioneller Engführung ist dem Produzenten Larry Klein ein Wurf gelungen. Anstatt – wie oft auf Coveralben – eine mehr oder weniger willkürliche Ansammlung an Bands zusammenzustellen, hat der Grammy-Gewinner eine Truppe an Jazz-Veteranen engagiert, die zwölf Songs von Cohen mit Zurückhaltung untermalen. Das smoothe Septett um Bill Frisell schmiegt sich an Cohens reduziertes Songwriting mit vorsichtigen Verzierungen. Dazu gesellt sich eine Award-Show an Sänger*innen, angefangen mit Norah Jones, über Peter Gabriel bis zu Iggy Pop. Gemeinsam lassen sie sich auf ein zärtliches Zusammenspiel ein, das Cohen nie untreu wird, aber ständig mit einer anderen Manier flirtet. Während dessen religiös-psychosexuelle Songs von der Spannung zwischen tiefer Herrenstimme und ausschließlich weiblichen Background-Sängerinnen leben, antworten hier Instrumente auf den Gesang beider Geschlechter. Vielleicht gehört auch solche Adaptierbarkeit zum ungebrochenen Reiz Cohens. Aus der Inszenierung binärer Geschlechterverhältnisse, bei denen der Mann den Ton angibt, können freiere Verhältnisse entstehen. Du suchst nach einem Soundtrack für Stunden im Kerzenschein? »Here It Is«.

favicon
Scroll to Top