Various Artists

44-1

Freakadelle

Als erstes springt der Labelname ins Auge, greasy oder grimy wären noch die besseren Assoziationen. Der Sound von »44-1«, einer Compilation des Salzburger »Club Culture Collectives« Freakadelle, das 13 Stücke umfasst und auf Audiokassette sowie digital erscheint, löst dieses Versprechen glücklicherweise nicht ein: statt Bradlfett’n gibt es dampfgegarte Elektronik, digitale Soundscapes und Dub im weitersten Sinne. Die Entdeckungsreise führt uns von analytisch-kalten Rhythmusstrukturen (Fingers of God) zu Unterwasserelektronica (Al Ge), deren Mikrofunk entfernt an die frühen Cheap Entertainment erinnern. Obwohl die Veröffentlichung einen musikalisch stimmigen Bogen spannt, fallen einzelne Stücke doch aus dem Rahmen, beispielsweise das HipHop-Instrumental von Rochus. Anderen Stücken merkt man die Lust auf Live-Performance an, etwa jenem von Low Profiler (dem ehemaligen Skug-Chefredakteur Didi Neinhart), so zackig wie hier der Aufbau der Basswand vonstattengeht, die einfach nicht stillhalten will, bis zu einem wahnwitzigen Break, der das Stück dann bis zum Schluss offenhält, bevor uns CG & Alt wieder in die 1990er zurückversetzen.

Wie auch andere Compilations lässt mich »44-1« trotz einiger guter Momente ratlos zurück. Worin liegt die Motivation, sich auf ein derartiges Unternehmen einzulassen? Breiter als mit »44-1« kann man digitalen Sound kaum definieren, als Klammer ist der Titel also kaum geeignet und auch die einzelnen Tracktitel lassen kaum Zusammenhänge erkennen. Haben die Musiker*innen die Stücke eigens dafür produziert oder wurde vorwiegend Ausschussware beigesteuert, die sonst nirgends unterkommt? Auch wenn die Qualität der einzelnen Stücke und der stimmige musikalische Bogen des Samplers letztere Option unwahrscheinlich machen, vermag »44-1« die Frage nicht zu beantworten, was das Ganze zusammenhält, außer einer cleveren Zusammenstellung.