Urge Overkill - 5. 4. 2005, Arena Wien

Alte Herren kommen wieder, um mit alten Hits wieder zu rocken. Kann gut gehen, muss es aber nicht.

Was soll man zu Urge Overkill noch sagen? Was wurde nicht schon längst vor zehn Jahren abgehandelt und für gut befunden? Die ewigen Fragen danach, warum sie es neben Pearl Jam und Nirvana trotz guter Kritiken nie zu dem durchschlagenden Erfolg der anderen gebracht haben? Warum ihr Rock so wegweisend war für Generationen von heute als »Retro« eingestufter Jungsbands von Mando Diao bis Tigerbeat? Nichts davon wäre ansatzweise (ausreichend) beantwortbar, und wenn, dann wurde es, wie gesagt, schon beantwortet.

Da stehen sie also, die alten Herren, und geben sich größte Mühe ein nicht allzu zahlreich erschienenes Publikum anzufeuern. Es steht im Raum, wie eine Band es schaffen soll, so eine historische Brücke zu überwinden, und so alte Songs in neuem Glanz dastehen zu lassen. Sicher war das gut gespielt, ohne Frage. Und bei »Sister Havanna« reckten auch alle ihre Fäuste gen Himmel, wie sie es vermutlich seit Jahren (oder gestern) nicht mehr gemacht haben. Aber schade bleibt es irgendwie trotzdem, dass da nicht mehr rüberkam, als einfaches Aufwärmen altbekannter Modelle. Sich auf die neue Platte von Urge Overkill freuen fällt schwer, so gut die Jungs auch mal waren.

Dass ROCK immer schon ROCK und nichts anderes war, steht aber nach einem Urge Overkill-Gig fest. Auch bei langweilig heruntergespielten Songs bleiben die Songs gigantische Meilensteine einer Geschichte, die keine sein wollte, und doch dank Bands wie Urge Overkill eine wurde. »Girl, You’ll Be A Woman Soon« als Zugabe versöhnte vermutlich auch die letzten Skeptiker im Publikum, auch wenn es noch so anders und vor allem älter als auf dem »Pulp Fiction«-OST klang. Vielleicht war auch nicht mehr rauszuholen aus dem Abend, außer: Versöhnung. Dafür dass sie so schnell wieder verschwunden sind, damals.