Roll The Dice

»Until Silence«

Leaf Label

Brauchen Sie noch eine Platte für die Top-2014-Liste? Mit »Until Silence« könnte es einen Kandidaten geben. Das Stockholmer Duo hat auf seinem dritten Werk die Kargflächen (post-)industrieller Provenienz weitestgehend verlassen und sich dafür ins beinahe möchte ich sagen kammermusikalische Fach begeben. Um dem klischeehalber eins draufzusetzen: eine illegitime Wahlverwandtschaft zwischen JG Thirlwells Manorexia und Pop-Anleihen. Peder Mannerfelt und Malcolm Pardon sezieren weniger Neue Musik als mehr oder weniger dystopische Industrial-Konfiguration, und bringen mit ihrem 26 Personen umfassenden, von Erik Arvinder arrangierten Orchester Genrebegrenzungen jüngeren Formats zum Wanken. Man höre sich etwa »Perpetual Motion« an: das könnte beinahe 1:1 ein neuerer JGT-Track sein. Indes driften Roll The Dice auf vergleichsweise überschaubaren Konstrukten dahin, dann wieder treibend, nach vorn preschend, um dann wieder in das blanke Nichts reiner Störgeräusche abzutauchen. Während das erste Drittel von »Until Silence« von teils heftigen Eruptionen durchzuckt wird, ebnet der mittlere Teil mit reduzierten Streich- und Pianophrasen den Weg zur »Silence« des Titels, bis diese in den beiden letzten Nummern ein elegisch-atmosphärisches Finale erfährt. Am Schluss stehen hammerschwere Industrie-Beats, die den Beginn des Albums zyklisch miteinander vereinen. Cinematisches Geisterflirren, wo man hinhört. »Assembly« ist einer jener Monolithen, bei dem unbestimmt bleibt, ob er das Blut gefrieren oder kochen lässt. Kopfkinoknattern. Weitestgehend pathosfrei, Epik in Großbuchstaben. Eine gute Ergänzung zu Outputs von Raime, Emptyset und Konsorten.