Unheard Music Series

Jede Menge altes, neu aufgelegtes Freigejazze des Atavistic Sublabels.

Das Atavistic Sublabel erfreut wieder mit verschollen geglaubten Tonträgern. JOE McPHEE eröffnete die Serie fulminant, mit »Trinity« erscheint eine weitere seiner Glanzleistungen in diesem würdigen Rahmen. Das »funky«-Element von »Nation Time« weicht bei »Trinity«, einer ausgedehnteren Erforschung der Möglichkeiten eines basslosen Trios aus Saxophonen, Percussion und Pianos. Als Einfluss für diesen Sound gibt McPhee Cecil Taylor an, für sein Tenorsaxophon ließ er sich von Ayler, Coltrane und Shepp inspirieren. »Astral Spirits« trägt den Ayler-Einfluss offen zur Schau, »Delta« beschäftigt sich mit einer sehr frei (nicht) definierten Blues-Variante. Im Opener »Ionization« hebt Pianist Mike Kull via Wechsels auf E-Piano in Sun-Ra-ähnliche Dimensionen ab. Insgesamt ein weiterer eindrucksvoller Beweis, das der offiziellen Jazz-Geschichtsschreibung nicht vertraut werden sollte. Die Weiterführung freier Musik fällt dank solcher Veröffentlichungen nicht mehr der Vergessenheit anheim.

LUTHER THOMAS HUMAN ARTS ENSEMBLE bringt auf »Funky Donkey« Musik im Geiste des Titels, die schon einen fast absurden Groove an den Tag legt. Im brasslastigen Ensemble laufen mit den Bowie-Brüdern weitere Chicago-Fixgrößen zur Hochform auf. Die ursprünglich zweigeteilte Aufnahme (Vol. II ist bisher nie erschienen) wurde 1973 in einer Kirche eingespielt und scheint vor »Spirit« nur so überzuborden. Der räudige Ton verstärkt hier sogar noch die Intensität. High-End-Philister werden das nicht schätzen, aber die haben ja noch selten etwas kapiert.

Aus 1981 stammt »As Was« vom ROVA SAXOPHONE QUARTETT. Allein bei den Linernotes steige ich aus, die Musik scheint ihren Ursprung in empfindlich überzogener Intellektualisierung genommen zu haben. Denken ist ja nie ein Fehler, aber »wie« ist die Frage. Rova denken Taylor, Ayler, Lacy und andere Schwergewichte und können sich nicht entscheiden, ob ihre Musik improvisiert oder strukturiert ist. Wir sind also in jenem Zwischenbereich der strukturierten Improvisation, der diesem Hörer schon immer zu kopflastig war. Auf jeden Fall streben sie im längsten Stück »Paint Another Take Of The Shootpop« (Olivier Messiaen und Otis Redding gewidmet) nach der »emotional power of beauty«, das geht gerade noch rein, auch wenn dich dieser Anspruch in den Ohren nicht gerade leichtfertig anspringt. Weitere, neue UMS-Ausgrabungen: Hal Russels Chemical Feast, Peter Brötzmann Group, Möslang-Guhl, Starship Beer, Haazz & Company. Der Rahmen ist weit gesteckt, die CDs gibts bei Trost.