TokTok - 3. 5. 2005, Flex Wien

Ein schöner Abend sollte es werden, voller billigem, verspielten und innovativem Charts-Techno, aber es wurde leider nur eine weitere gute, eintönige Nacht mit viel Bass im Bauch.

TokTok sind schon zwölf Jahre alt. Das DJ-Team Nerk und Fabian Feyerabendt, das sich erst nach einigen Umbesetzungen ergeben hat, existiert seit ungefähr 1997. Eben jene beiden haben auch damals, am Ende des 20. Jahrhunderts, das fabelhafte, selbstbetitelte Album »TokTok Vs. Soffy O« aufgenommen und wenig später sogar einen Track zusammen mit Nena gemacht. Was Letzteres angeht, geben sie heute nur noch ungern Kommentare ab. Verständlich ist es aber, dass Nena so versessen auf eine Zusammenarbeit war, denn die Elektro-Akrobatik, die auf der Kollaborationsplatte mit der schwedischen, in Berlin lebenden Soffy O zu hören ist, war fresh, naiv, gekonnt und in einer derartigen Perfektion an das Rhythmusgefühl der Beatmusikhörer angepasst, dass es sowohl ein Chartserfolg wurde, als auch sämtliche Tanzflure in dreckigen Clubs füllen konnte. Die Tanzfläche des Flex war trotz der mittlerweile zwei vergangenen Jahre mit vielen Techno-Begeisterten versehen, die sich allerdings erst ein Weilchen gedulden mussten, um von TokTok die Beine auf Belastbarkeit getestet zu bekommen.

Zuerst wurde das Publikum solide vom DJ Christopher Just angeheizt, der neben den vorrangigen, stark auf Bass setzenden, scheinbar endlosen Loops, auch den Hit »So Weit Wie Noch Nie« von Jürgen Paape erklingen ließ. Die Videowand wurde bereits mit Aufnahmen der Formation, die danach die Bühne vereinnahmte, bespielt. »The Revenge Of The Menstruation Monsters« wurden zu Fleisch und Blut – drei sexy gekleideten, stark geschminkten, mit Tampons werfende Damen, unterstützt von einem lebensgroßen, herumhüpfenden Hasen, zwei Herren in Collegejacken, die eine Tanzeinlage lieferten, und später sogar einer E-Gitarre spielenden Black Metal-Braut, die kein Ohr unblutig ließ. Nur vier Songs wurden von dem Tross gespielt, aber die Spannung blieb über diese knapp 20 Minuten konstant erhalten, was nicht unbedingt an ihrem feministischen Elektroclash-Entwurf lag, sondern vielleicht viel mehr an der knappen Ober- und Unterbekleidung der »Menstruationsmonster«.

Nach einem weiteren, kurzen Umbau-DJ-Set ging es dann schon los mit TokTok, wobei allerdings kein wirklicher Qualitätsunterschied auszumachen war. Es wurden zwar mehr Ideen eingebracht und häufiger neue Samples und Loops verwendet – und tanzbar blieb es sowieso durch und durch – aber es gab nichts Interessantes zu hören, keine großen Melodien (die die TokTok-Tracks der vergangenen sechs Jahre ausmachten) oder Verstöße gegen die goldene DJ-Regel »Du darfst alles tun, aber gebe der Masse, was sie will!«. So wurde hier und da gejubelt, als das Boney M.-Sample aus ihrem Song »Jean« ertönte. Dieses ist auch ohne Gesang ein echter Hit, jedoch blieb es eben dabei und weitete sich nicht aus zu einem »Album-Durchgesample«. Live heißt es bei TokTok also Back to the Roots, was Hausbesetzer-Techno in den frühen Neunzigern betrifft, aber leider auch weg von den Melodien und den ausgefuchsten Songideen, also raus aus den Charts, rein in den Untergrund.