David Moss

Time Stories

Intakt Records

Mit »Time Stories« präsentiert uns David Moss eine Dokumentation seiner Zusammenarbeit mit sieben verschiedenen Musikern. In den hier vorstellig gemachten Duo-Arbeiten lässt sich die Moss’sche Vorliebe für zwei verschiedene musikalische Zugangsweisen erkennen. Einerseits Leute, wie Phil Minton, Catherine Jauniaux und Koichi Makigami, die ihre Stimme als Instrument einsetzen und andererseits Soundartisten, die mit ihren Instrumenten wie Plattenspieler oder Sampler direkt auf Sounds zugreifen, wie Christian Marclay, Frank Schulte, Hans Peter Kuhn oder der Komponist Heiner Goebbels.
Wichtig für Moss ist eine Methode, über die viel zu selten reflektiert wird – die Improvisation. Das Vorläufige, sich der Planbarkeit zum Teil entziehende Charakter dieser Arbeitsweise war für Moss immer mehr als eine musikalische. Es ist eine Art und Weise der Lebensführung, die Kunst offen für neue Dynamiken zu bleiben und sich das Unbekannte immer wieder neu anzueignen. Wichtig ist ihm dabei die Pflege der musikalischen Partnerschaften, welche gerade im Duo eine besondere Intimität entfalten. Das Duo kann unversehens zum Solo werden, weshalb besondere Sensibilität gefragt ist. Doch jede musikalische Zusammenarbeit ist mit einem spezifischen Erinnerungsreservoir versehen, welches jederzeit unmittelbar aufgerufen werden kann. Man kennt sich teilweise seit Jahrezehnten und kann genügend Geschichten voneinander erzählen.
Diese Geschichten haben jedoch noch kein Ende gefunden. Denn obwohl David Moss hier ganz deklariert Rückschau hält, überzeugt vor allem die Frische mit der hier zur Sache gegangen wird. Offensichtlich hat man sich nach wie vor etwas zu erzählen.