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thE KindeR & der Tumult von morgen

Anlässlich ihres Debüts »Tumultus Cras« hat sich skug mit der Wiener Band thE KindeR getroffen. Es geht um Aliens zum Verlieben, die Sprengung der Grenzen in der Musik und was das alles für einen selbst bedeuten kann. Nicht zuletzt soll es aber um die Musik dieses famosen Trios gehen.

thE KindeR, eine Band mit Gründungsmythos à la Fred vom Jupiter – hier geht es aber explizit um Marsmenschen –, will den alten Planeten Erde ein wenig bunter machen und überzeugt mit ihrem verrückten Stilmix auf einem Album in Überlänge.

Hallo, ihr habt letztes Jahr mit eurem Projekt thE KindeR euer erstes Album veröffentlicht. The Kinder? Wie kam es dazu? Warum die Kinder? Ihr drei kennt euch ja schon lange, …
Duda: Ja …
Cri: Jetzt fängt das schon wieder an …
Aaron: …

… vielleicht ein bisschen was zur Bandgeschichte?
D: Ich wolltʼ nachschauen …
C: Da sind wir uns nur nicht ganz einig, wann wir eigentlich entstanden sind.
D: … wann der erste Track war. Wir haben 2010 gesagt. Weil ich bin 2011 im Juli abgehauen ein halbes Jahr und dann bin ich zurückgekommen und dann haben wir uns danach den Proberaum gecheckt. Aber davor haben wir eigentlich schon länger etwas gemacht. Es muss auf jeden Fall 2010 gewesen sein.
C: Wenn nicht sogar 2009.
D: Also ich weiß es nicht. Das war auch Oficina-Zeit. Und 2008 hat auch Oficina begonnen. Das weiß ich noch.
A: Und ein Jahr später …
C: Wir zwei – der Duda und ich – haben uns bei einer Art Orchesterkollektiv kennengelernt.
A: Mit dem Namen Oficina Art Vienna. Und ich wiederum hab’ die Cri kennengelernt über die Maria …
C: … meine damalige Mitbewohnerin …
A: … weil ich mit ihr in einem anderen Projekt tätig war. Es gab immer, jede Woche, jedes Wochenende bei der Cri so ein Zusammenkommen, meist nach diesen Oficina-Proben, wo immer Party und Exzess dann irgendwie war. [großes Gelächter] Ja, es war Party und Exzess. Und man muss dazu sagen: eine Dachgeschosswohnung im 5. Bezirk. Und dann haben wir gesagt: Dann lass uns mal was machen. Und das erste Zusammentreffen war dann beim Duda wiederum, der als Produzent zu dem Zeitpunkt schon viele Jahre auf dem Buckel hatte. Und beim ersten Zusammenkommen – ok, jetzt muss ich vorsichtig sein, was ich sage – lag dann irgendwann die Cri am Boden und wir haben gesagt, jetzt machen wir irgendwas. Der Duda hat einfach einen Beat irgendwie fabriziert und die Cri hat dann einfach eine Geschichte zu singen begonnen, über Noah, aus der Bibel, der aber in ihrer Geschichte auf einmal ein Raumfahrer war.
C: Ja, der Noah kommt auf die Erde und dort trifft er ganz viele Frauen und alle Frauen sind absolut in ihn verliebt und er ist gleich am Rummachen und Rumdingsen mit jeder einzelnen und dann fliegt er wieder weg.

Das klingt ein bisschen wie Fred vom Jupiter.
C: Das kann schon sein, ja. Das ist durchaus möglich. Die Idee dahinter ist: Er kommt wieder und nimmt sich alle die Kinder mit, die er gemacht hat, und seit dem Zeitpunkt gibt es Life on Mars. Weil er wieder zurückfliegt zum Mars.
D: Und das war die Geburtsstunde, diese allererste Session. Und wir haben gesagt, überlegen wir uns, was können wir uns für einen Namen geben: Wir sind die Kinder, die der Noah wieder einsammeln möchte.

Quasi eine Band mit Gründungsmythos …
D: Und ich findʼ es schön, dieses – wie Aaron gesagt hat – als wir zusammengekommen sind, weil wir sind einfach zusammen gekommen. Also zusammen-gekommen. Hast eh verstanden, oder?
C: Schriftlich versteht man das auf jeden Fall.
D: Wir haben uns getroffen und wir sind gekommen, ja?

Wir können einen Bindestrich reintun.
D: Genau, bitte! Ja, ohne Zeilenumbruch. [allgemeines Gelächter]

Jetzt haben wir weit ausgeholt.
D: Ja, dann war ich ein halbes Jahr mal weg und dann bin ich zurückgekommen und dann haben wir uns gemeinsam einen Proberaum in einem ziemlich versifften Keller eingerichtet.
C: Aber schön gut eingerichtet.
D: Schön bunt, mit verrückten Augen überall und viel Schimmel und auch manchmal überschwemmt. Es war auf jeden Fall echt geil und wir haben dort unten ziemlich … wir waren sehr inspiriert durch die Umgebung und die Kreativität ist sehr geflossen.
C: Aber da gibtʼs ja auch ein Musikvideo, wo man den Proberaum noch sehen kann. Das ist der »Einschlaftechno«.
D: In dem Raum sind eigentlich die Songs entstanden, also die vom Album auch.

Aber das in einem Zeitraum von acht Jahren?
D: Nein, die Songs sind in drei Jahren entstanden, sowas. Also vor der Reise, und als wir zurückgekommen sind, haben wir auch noch komponiert. Aber das Album hat dann sehr lange gebraucht. Wir haben alles selber aufgenommen.
A: In dieser Zeit haben wir aber zwei EPs quasi selbst veröffentlicht. DIY, selber noch CD-Rohlinge gebrannt, T-Shirts selber bedruckt und Taschen. Lieben Gruß an dieser Stelle ans Perpetuum Mobile, ohne dem wärʼs nicht gegangen.

Ihr seid ja sehr lustig, ungestüm und bunt auf der Bühne und thE KindeR als Bandnamen mag man auch da sehr passend finden. Ich findʼ, das streckt sich auch auf die Musik hin. Es ist ein sehr langes Album, sogar mit Pause in der Mitte. Wie viele Tracks sind das denn nun?
Alle: Vierzehn!

Was ja für ein Album schon mal viel ist. Was mich auch noch beeindruckt hat, ist, dass es in sehr viele Richtungen ausschlägt: von progressiv-jazzigen Elementen über wirklich House-mäßige bis hin zu schon bisschen härterem Techno. Also ein buntes Durcheinander. Das Album heißt ja »Tumultus Cras« …
D: »Tumultus Cras«, das ist der Tumult von gestern, nein, von morgen.
C: Jetzt, jetzt heißt cras.
D: Googelt mal jemand, das wär’ jetzt wichtig. Lateinisch ist das … und das heißt glaubʼ ich morgen.
C: Und cras ist ja auch mittlerweile schon ein Wort.

Also der Tumult von morgen, auch auf der Bühne.
C: Und die einzelnen Richtungen kommen auch daher, dass wir alle einen unterschiedlichen Background haben.
A: Aber grundsätzlich, warum das alles da so drauf ist, da wir alle drei vom Mindset sehr ähnlich gepolt waren von Anfang an und auch nach wie vor noch sind. Weil wir diesen offenen Zugang zur Musik schaffen und gemeinsam schaffen und das für uns von Anfang an sehr wichtig war. Offener Zugang will heißen: Wir versteifen uns nicht nur auf ein Genre, sondern wir wollen all die Einflüsse da reinbringen und was Eigenständiges und Eigenes machen. Fast alles ist in Sessions entstanden. Das ist auch der Grund, warum es so lange gedauert hat. So etwas ist langwierig. Und dass man das auch auf eine Produktion bannt, ist oft anstrengend, weil wenn du so viel Genres hast, das musst du mal unter einen Hut bringen, auch produktionstechnisch alleine schon.
D: Genau. Es waren auch sehr viele verschiedene Produktionsstadien, Orte, verschiedene Mikrophone und Aufnahmetechniken. Teilweise waren die Drums elektronisch, dann nachträglich mit echten Drums drüber. Oder teilweise waren die Drums akustisch und nachträglich elektronisch drüber. Und dann gab’s viele Overdubs und alles selbst aufgenommen. Es war viel Arbeit.
C: Teilweise auch im Nachhinein arrangiert.
A: Viele Songs waren Session-Songs und aus denen haben wir dann Tracks gemacht. So in der Art.
C: Bei »Freestyle« zum Beispiel, da ist der Refrain erst ganz am Schluss dazugekommen.

Ohne euch beleidigen zu wollen: Das Album hat aber durchaus so seinen Lo-fi-Charme behalten.
D: Ich denk mal, das liegt daran, dass wir Lo-fi aufgenommen haben mit DIY. Wir haben alles selber gemacht und das genommen, was wir gehabt haben. Das waren zwei Laptops, das waren drei Aufnahmegeräte … solche, die hier liegen.
A: Auch der Produktionsprozess hat das widergespiegelt, wie wir die Songs entwickelt haben. Also es ist so wirklich im Moment. Wir haben uns nie was ausgemacht. Einmal haben wir uns was ausgemacht, bei ihm [Duda] in Bayern, da haben wir uns was zum Aufnehmen ausgemacht. Aber oft war’s wirklich so ein: Jetzt nehmen wir auch was auf.
D: Wir haben uns dann schon fix im Studio eingemietet und da ist das Album dann auch entstanden.
C: Also es ist so eine Mischung gewesen, man kann’s schwer sagen …Verquirrlt und verrückt, wie die Musik ist, war auch die Aufnahme und das Mixing und am Schluss, was dabei rausgekommen ist.

Spannend, wie man dann bei so langem Jammen und einem so langen Prozess des Aneinander-Ausrangierens diese Frische beibehält.
C: Ja, wir improvisieren auch alle gern. Das ist ein großer Teil davon, wenn wir spielen.
D: Und das ist ja die Stärke, also live sind die Songs als Struktur nur Anhaltspunkte.

Ihr macht ja auch keine Pause beim Spielen.
D: Oft eigentlich nicht, nein. Es soll so aus einem Guss … so sind wir. Jeder ist halt so auf seine Art, wie er ist, musikalisch.

Live hatte ich nicht das Gefühl, dass mir viel Pause bleibt.
D: Wenn man kleine Kinder kennt: Die rennen auch nur rum, die brauchen ein Ding nach dem anderen, es gibt immer etwas zu tun und das glaub’ ich ist …

Und es gibt immer etwas, worauf die Kinder neugierig sind.
D: Genau, und dann gibt’s das und dann gibt’s das nächste und dann gibt’s halt das Genre und dies und das und dann macht der eine das und: Ha, lustig, da spiel ich mich, und ha, wie cool, und dann ist das. Und das ist halt auch wie die Songs sind.
A: Also wir wussten eigentlich von Anfang an: Mit dem Namen haben wir Narrenfreiheit. Und folglich haben wir uns als Musiker*innen, weil wir sind alle drei Musiker*innen, die in unterschiedlichsten Projekten gespielt haben und das auch nach wie vor tun … aber wir haben alle drei eigentlich so einen breit gefächerten Genre-Pool, worauf wir stehen. Also auch musikalisch stehen wir sowohl auf HipHop als auch auf House/Techno als auch auf Jazz. Also die beiden [Chri und Duda] haben vor allem starken Jazz-Background. Und ich wiederum hab’ klassisch gelernt. Also ich hab’ so wirklich 15 bis 18 Jahre lang Hardcore-Klassik-Drill und hab’ das auch wieder einfließen lassen.
D: Und natürlich, die poppige Schiene ist auch etwas, wo wir uns sehr bedienen. Und jetzt nicht nur Genre-mäßig, sondern auch nach Zeiten. Also das klingt teilweise nach 1970er, teilweise nach 1980er und dann klingt’s wieder nach 1990er und 2000er und ob wir’s in die 2010er geschafft haben, weiß ich nicht.
C: Nein, ich glaub’ nicht.
D: Der Tumult von morgen.

Wie wird der aussehen, der Tumult von morgen?
A: So, dass die Kinder die Genres abfackeln und ausrufen, dass eh alles das Gleiche ist!
C: Keine Schubladen mehr!
D: Ich glaub’, das war auch der Punkt: Wir haben uns nie getroffen, um ein Genre zu spielen. Wir haben immer wieder Gedanken gehabt, aber wir haben dann unsere eigenen Genres gegründet, weil so Elemente sich immer wieder abgezeichnet haben in unserer Kompositionstechnik. Sowas wie ein Akzent, der immer wieder kommt, so zwei Achtel hintereinander, das war irgendwie bezeichnend bei uns.
A: Mir fallen drei Genres ein: Astropop, Warp-Rock und Borderline.
Alle: Bunny Hop. Borderline-Jazz. Bipolar-Weird-Dance … Das sind die Genres.
D: Steht auch auf der Homepage, glaub’ ich, zum Nachlesen. Irgendwo haben wir das stehen. [Die Diskussion über Genrebezeichnungen geht unter Gelächter weiter.]
D: Also unsere Musik hat dadurch einen roten Faden, dass es immer nur wir drei sind, die spielen. Wir haben keine Features, wir haben alle an einem Instrument zu tun und alle sind an einem Zweitinstrument oder im Gesang tätig und das sind immer wir und das macht den roten Faden in unserer Musik aus, auch wenn’s nicht so klingt, wie ein roter Faden, aber es ist aus einem Guss.

Vorbilder verweigert ihr oder gibts da wen?
D: Ich hab’ ur viele Vorbilder, aber die wechseln immer.
A: Als wir uns getroffen haben, haben wir viel Musik gehört. Und da gibt’s schon Acts, auf die wir alle einen Bock hatten. Sowas wie Queen haben wir alle drei sofort unterschreiben können, dass das saugeil ist. Bei mir war’s natürlich stark der HipHop, und auch beim Duda.
D: Ja, ich hab’ auch viel HipHop gehört und produzier’ auch HipHop.
C: Bei mir eher Jazz ein bisschen.
D: Ja, und vom Jazz komm ich auch eigentlich … also vom Schlagzeugspielen.
A: Und natürlich sowas wie The Doors. Also auch für mich in diesem Projekt eindeutig, weil ich sehr oft und sehr viel halt so eine Ray-Manzerak-Rolle hatte, auch so mit wirklich Bass-Synthie selber mit der linken Hand spielen … Wir hatten ja früher – jetzt ist es ja anders – aber früher hatte ich ein, zwei, drei, vier Manuale quasi: Also eine alte, analoge Halbdigital-Orgel, zweimanualig, dann ein Stage-Piano, dann einen KORG-Synth. Ja, das war halt echt für mich ein bisschen so Ray Manzarek.
C: Die Orgel hat ungefähr die Größe von einem Kindersarg.
D: Ziemlich schwer, ja. Die haben wir dann wegrationalisiert.

Einen Kindersarg wegrationalisiert, das ist gut. Lange leben die KindeR!
C: Jetzt ist er weg, der Sarg.

Die Platte ist auf Konkord im Vertrieb von Rough Trade rausgekommen. Jetzt die böse Frage: Verkauft sich gut?
D: Bitte nochmal? Die Platte? Ja du, ich hab’ schon zehn verkauft.

Wie seid ihr denn dazu gekommen?
A: Wir haben eigentlich, als wir fertig waren, ein paar Labels angeschrieben. Und Konkord ist sofort aufgesprungen und hat ab da eigentlich dieses Business-mäßige übernommen. Und Konkord haben halt einen Exklusivvertrieb über Rough Trade und da war uns dann auch klar: Wir möchten Vinyl machen. Also wenn man schon einen Vertrieb hat, dann Vinyl.
D: Und wenn man schon Vinyl hat, dann gelb.

Was wollen die Mars-KindeR auf der Erde noch verändern? Was sind die weiteren Pläne in die Zukunft?
D: Wir wollen die Erde zum Mars machen. Das wär’ schön. Weil am Mars ist es viel cooler, es geht viel verrückter zu. Man weiß ja von den Marsmännchen, das sind völlig crazy Viecher. Die sind total bunt und die machen nur Blödsinn die ganze Zeit.
A: Haben immer große Augen für alles. Die haben’s ja auch weit geschafft, also den Mars wunderschön orange hell zu machen.
C: Also was ich wirklich cool find’, ist, dass man die Leute ein bisschen offener macht und nicht mehr so in Stilrichtungen belässt. Sodass sie merken, dass man nicht immer nur eine Stilrichtung mögen kann, sondern dass man einfach Musik mögen kann. Dass man nicht unbedingt immer suchen muss nach diesem oder jenem, HipHop, Wave, Rock oder Sonstigem, sondern einfach nach guter Musik.

Ist damit auch ein gesellschaftspolitischer Anspruch verbunden?
A: Ja, kommt in den Songs ja auch vor. Also so ein Song wie »Dein Leben« beleuchtet das eh, dass es dein Leben ist und dass du hauptsächlich dafür verantwortlich bist und wenn du was verändern willst, dann mach es.
C: Ja, trau dich mehr! Mach einfach, was du willst! Und nicht, was du glaubst, was andere von dir wollen, zum Beispiel.
D: Sich nicht Obrigkeiten suchen oder Götter, sondern sein eigener Gott oder Götze werden und tun, was man will. Das ist meine Ansicht.

Wie geht es weiter mit euch? Stehen Konzerte an?
D: Momentan stehen keine Konzerte an.
C: Müssen wir noch checken. Aber du weißt ja, wie es um die Konzertszene bestellt ist.
A: Also zurzeit geben wir eher so Interviews. [Gelächter]
D: Wir ruhen uns auf unseren Lorbeeren aus.
A: Und Konkord ist da vielleicht an Sachen dran.
C: Also dieses Jahr vielleicht noch.

Aber ihr wärt für Booking-Anfragen offen?
C: Ja, durchaus.
D: Auch für Gagen sind wir eigentlich offen.
A: Also wir machen, worauf wir Bock haben, wie es sich ausgeht und wie es sich gut anfühlt.
D: Es hat sich halt auch ein bisschen so ergeben, weil der ganze Prozess des Albums recht lange gedauert hat und wir alle in eigenen Projekten nebenbei waren, während unser Projekt dann fertig wurde. Ja, wir sind erwachsen …
A: … aber Kinder geblieben …
D: … und wir spielen, wenn wir spielen wollen und wenn’s passt, und wir machen uns da auch keinen Stress. Die Welt haben wir schon niedergerissen …
A: … die Welt weiß es nur noch nicht. Still, im Geheimen, sind wir Strippenzieher. Und deswegen, wenn man sich das Album-Cover anschaut, dann ist es ja mit Symbolen und Mythen umrankt: Das hat einen bestimmten Grund.
D: Richtig, man muss nur die Augen aufmachen.
A: Schaut euch das Cover an, dann versteht ihr, warum wir Strippenzieher sind.

Zum Album gibt es noch eine Single mit dem Titel »Tied in Decay«.
D: Gebunden im Verfall oder gefesselt im Verfall. Die Message ist im Endeffekt, dass es darum geht, aufzuwachen und sich mal gern zu haben. Und sich von diesen Fesseln zu befreien.
C: Dass man sich nicht von anderen Vorstellungen überfahren lässt, sondern dass man mal nachdenkt, was man wirklich haben möchte, was man selber haben möchte.
D: In this world of illusion: die Welt der Illusionen begreifen und aufwachen und das sehen, was man sehen will, und sich seine eigenen Illusionen ansehen. Wie Kinder, die ihre imaginären Freunde haben und das ist die Realität und nicht irgendwie der ganze Schwachsinn, der uns umgibt. Und Grenzen und der ganze Scheiß.
A: Der Scheiß der uns vorgelebt wird. Also: weniger vorgelebtes, mehr Imagination!

Ist eure Platte ein Angebot, ein imaginärer Freund zu sein?
D: Also ich hab’ schon Kinder gesehen, die die Platte in der Hand hatten. Die mussten die ewig lang anschauen. Also Kindern gefällt’s voll gut. Also es ist auf jeden Fall kindergerecht, das Cover.
C: Obwohl’s zensuriert war!
A: Facebook hat unser Album-Cover zensuriert! Und dann haben wir darauf eine censored Version upgeloaded.

Welcher Geschlechtsteil war drauf?
C: Ein paar Hintern.
D: Es waren eh nur Hintern, oder?
C: Na, einen Teil einer Vulva hat man gesehen.
A: Ja, nämlich von einer Alien-Frau.
C: Aber es ist alles gezeichnet … von einem Alien eine Vulva.
D: Und es kommen Trompeten aus dem Arsch, die wiederum so …
A: … Monty-Python-mäßig sind.
C: Aber wie ich versucht hab’, Balken drüber zu tun, hab’ ich nicht genau gewusst, wo ich sie drüber tun soll, ehrlich gesagt.
D: Wen willst du wo drüber tun?
C: Wie ich Balken versucht hab’, drüber zu tun, hab’ ich nicht gewusst, wo ich sie drüber tun soll.
A: Die nackten Hintern mit den Trompeten waren schon genug für Facebook, um es zu zensurieren.
D: Ich glaub auch, ja.
C: Also die Artificial Intelligence of Facebook hat das mal auf den ersten Blick als nicht passabel eingestuft und zu nackt.
D: Und ich muss nochmal sagen, von wegen: Sei dein eigener Gott. Wir gebären uns auf dem Cover ja selbst. Ich mein’, das kann jeder anders deuten, aber im Endeffekt komm’ ich aus meinem eigenen Arsch raus.
C: Also meine Mutter hat sich gefreut, dass sie drauf ist.
D: Ja, das hat sie gedacht. Aber das passt eh, das interpretiert jeder, wie er will. Aber es geht genau darum: Interpretier’, wie du willst! Dass unser Album so eine Message hat …
A: … das ist eigentlich ziemlich geil, ja!
D: Gar nicht gewusst.
A: Jetzt wissen wir’s.
D: Danke!
A: Danke für das Interview!
D: Jetzt haben wir Stoff fürs nächste Album.

skug dankt auch für dieses Interview.

Link: http://www.konkord.org/the-kinder-tumultus-cras-konkord-104/