Noël Akchoté

»The Evil Garden«

November

Der New Yorker Edward Gorey (1925-2000) inszenierte 40 Jahre »den Comic Strip als Horror-Film und die Tragödie als Komödie« (Liner Notes). Goreys Texte waren ein exzellentes Pendant zu seinen originellen, am 19. Jahrhundert orientierten Federzeichnungen, die sich über das CD-Booklet erstrecken. Dickens und Austen mögen als Autoren Pate gestanden haben und wahrlich: Gorey entwarf sinistre und surreale Themen. »The gorgeous flowers have a smell/That causes one to feel unwell … Great-Uncle Franz, beside the lake/Is being strangled by a snake«. Julie Tippets geschulter Gesang (einst als Julie Driscoll Rockikone) und Lol Coxhills brüchig-fragile Stimme (ein schöner Kontrast) vermengen sich gar wundersam im »Evil Garden« und die Musik gerät, wenn erwünscht, mühelos spooky. Max Nagl ist wiederum ein raffinierter Kompinist und Arrangeur, der seinen Musikern verspielte Winkelzüge auf den Leib schreibt. Dezidiert jazzige Passagen münden wohlkalkuliert in tangoartige, walzerhafte und viele Phrasen mehr. Nagl transkribiert die Bildergechichten Goreys in wendige Musiknoten, die zwei dezent agierende Franzosen (Noel Akchoté, g; Patrice Heral, perc) und Lol Coxhill (herbes Sopransax, das sich gerne mit Nagls hymnischem Saxophon verzahnt) superb ausführen. Und Josef Novotny untergräbt die lustvoll überbordenden musikalischen Pirouetten mit bösartig grundelnden Samples. Schlicht gro&szligartig!