Ida

The Braille Night

Tiger Style

Eierkartonpop. Die »neue Sensitivität« kann ja bisweilen ganz mächtig nerven, mit ihrem Big Brother-Voyeurismus auslösendem Seelenschauen, dem demonstrativen Kuschelwahn, dem zelebrierten Menscheln. Gesten, für die die konservativeren Hippiehorden jede Menge Hass, gerade von der Generation Punk, geerntet haben. All Love? My Ass! IDA reiten genau die Ätherwellen penetrant sanft gurrender College-Sender. Spartanisch instrumentierter New Folk mit perfekt ineinander geschmiegtem Mann-Frau-Anstimmen. Das Sonderding mit diesem in New York zusammengefundenen Doppelpärchen ist die wärmende Ehrlichkeit, der musikalische Glanz, den sie seit ihrem ersten Outing 1995 versprühen, als dem Backing Band-Status von Lisa Loeb dieses eigene Projekt folgte. »Ten Small Paces« gehörte dann zu einem der famosesten IndieAlben aller Zeiten und »Will you find me« verkaufte sensationelle 400.000 Stück. »Braille Night« versaut sich zwar diesen Genuß, durch zu viel Temperamentwechsel und keinen Hit, aber als Einstiegsdroge zu zwischenmenschlichem Cocooning greift?s direkt ans freudig erregte Herz.