The Body

»I’ve Seen All I Need to See«

Thrill Jockey

Man mag von Musik halten, was man will. Doch sobald sie Geräusche enthält, die auf den menschlichen Corpus treffen, reagiert dieser ganz individuell und automatisch darauf. Beim neuesten Schlag von The Body dürfte die Reaktion recht eklatant ausfallen. Zuerst nimmt man ein Vibrieren wahr, eine »Störung der Atmosphäre«. Irgendwas passiert und die Drüsen senden Alarmbotschaften durchs Blut ins Hirn. »A Lament« fabriziert Störgeräusche, die auch durch die letzten verstopften Schmalzohren ihr Ziel, die Herzpumpe, erreichen dürften und dieser als Diesel dient. Ziemlich mega, wie Chip King und Lee Buford hier mit Tonunterbrechung spielen und eine Atmosphäre wie auf einem Teufelsfriedhof erzeugen. Ziemlich mega und massiv auch der folgende Song, »Tied Up and Locked In«. Wer es nicht kennt, man könnte vielleicht meinen, die Zutaten seien so etwas wie Boris, Neurosis und Melvins, mit dem Zauberstab zerkleinert, das Ganze mit einer Tube Harsh-Noise-Elektronik verrührt und aufgetischt – lecker. Gerne mit Cayennepfeffer nachwürzen (laut hören). Irgendwann hebt man etwas ab und schwebt zwischen diesen ganzen verzerrten Schwingungen und dem Geschrei aus dem Kadaver von Sänger Chip King. Die Musik klingt nach Doom und Sludge, scheint ihre Einflüsse aber weniger von aktuellen Projekten des Metal-Bereichs zu ziehen, als vielmehr offene Strukturen elektronischer Artists aus dem Noise-Sektor (Merzbow?) erkennen zu lassen, wie auf »They Are Coming«, das eher wie eine Soundwall als wie ein »Song« wirkt. Dagegen klingt »The Handle/The Blade« wieder nach früheren Isis-Nummern. Oarg fresh. Lässt auf eine baldige Live-Saison hoffen, in der die beiden Herren für eine Neuordnung der Neuronen sorgen können.