Clouddead

Ten

Big Dada/Soul Seduction

Es hat lange gedauert und es hat sich viel getan. Seit den titellosen Einheiten
des nach wie vor einzigartig dastehenden Debüts mit seinen damals völlig
neuartigen Sounds sind drei Jahre vergangen, eine Ewigkeit im Abstract-HipHop,
diesem dümmsten aller Genres. Wie nennen wir es heute? Ich wäre für
Post-Confusion-But-Not-Yet-Mainstream-Hop, denn eine zurückgewonnene Klarheit
bemächtigt sich der Tunes, klare Songs schälen sich aus dem Kabelsalat und
völlig unbewölkte Lüftchen machen den Blick auf eine andere Qualität von Why?,
Dose One und Odd Nosdam frei: Pop. Why? Hat es ja schon anklingen lassen, sein
Faible für das gute alte Rein/Raus-Spiel mit Strophen, Brücken und Refrains,
jetzt machen sie es im Team mit mehr musikalischem Witz und ausgereifterem
Klang, warum auch nicht? Abstract war ohnehin wie jede zu purifiziert
verstandene Dogmatik eine Sackgasse, und das Gespür für perfide Melodien schätze
zumindest ich ästhetisch höher ein, wie die Fähigkeit, einen Drum-Computer
besonders abartig zu missbrauchen. Das können sie natürlich noch immer und die
Texte sind nach wie vor totales Tarantula-Gewäsch, sprich frei assoziierte
Halluzinogenika im Dienste des Tons; irgendwo zwischen Jandl und 2003er Dylan.