Subkulturtasche

Gitarren von den US of A bis in die Österreichische Provinz.

COMPARED TO WHAT bringen eine komische Mogelpackung: »Mushroom vs. Bundy K. Brown vs. Faust vs. Gary Floyd« (Clearspot). Faust und Brown tauchen bei einem Track als zusätzliche Remixer auf, Gary Floyd singt einen Song, der Rest ist Mushroom-Ausschuss. Es handelt sich um seltsame San-Fran-Hippies die auf Elektronik-Vögel machen. Die wertlose Vorgabe wird durch Gary Floyd erheblich aufgewertet, der sich allerdings mit matten Bläsern herumschlagen muss.
Der (nichtgezählte) 17. Ableger von June Of 44- und Rex-Leuten läuft unter THE LETTER E, und ihr »No 5ive Long Player« (Tigerstyle) ist leider wieder eine gute Platte geworden. Vergleichsweise beschwingt und ausformuliert, handelt es sich um perlige, gitarrendominierte Instrumentalsongs, die selten übergebührlich in die Länge gezogen wurden. Der Hörer dankt die Fokussierung, und akzeptiert die Schlusselegie von 11 Minuten ausnahmsweise.
Kräftige Lebenszeichen gibt es aus dem Hause Dischord zu vermelden. Hektisch und Circus-Lupus-like preschen Q AND NOT U auf »No Kill No Beep Beep« (Dischord) los. Auf eine Erweiterung der Emo-Gepflogenheiten haben an dieser Stelle viele gewartet, jetzt ist sie endlich da. Die Band macht ihren Punkt in zwingenden Songs meist sehr schnell und steht an der unwahrscheinlich geglaubten Schnittstelle von Senator Flux und This Heat, wenn ihr versteht was ich meine.
FARAQUET schlagen mit »The View From This Tower« (Dischord) in eine ähnliche Kerbe, komplett mit umwerfenden Kontrapunkt-Dynamiken und für dieses Segment unüblich fetten Bässen. Das alte Laut/Leise/Rein/Raus-Spiel ist schon lange nicht mehr so zwingend exerziert worden. Der Sänger pfeift auch aus dem letzten Loch; tolle Sache!
Als ob sie es gewusst hätten legen BLUETIP bei »Polymer« (Dischord), ihrem mittlerweile dritten Longplayer,einen Zahn zu, erscheinen insgesamt dennoch wertkonservativer als ihre Kollegas. Ein bisschen kantiger könnte das schon noch werden. Eindeutig die Old School in diesem Dischord-Trio, aber im Hause Krispel immer gern gehört.
Von LIBRANESS, der ersten Solo-LP von Ash Bowie (Polvo) hätte ich mehr erwartet. »Yesterdays And Tomorrow’s Shells« (Tigerstyle) fällt eindeutig in die ungeliebte Kategorie der ideenüberladenen Werke von ehemals in Bands gut aufgehobenen Menschen. Jetzt hat er halt nicht mehr fragen müssen, und präsentiert freien Hippie-Lowest-Fi-Krach, der schlicht ungeniessbar ist. Als experimentelle Psycho-Kiste aber durchaus brauchbar.
In Linz ticken die Uhren bekanntlich noch anders, ein Umstand den die Ex-Doom Rocker von JACK FROST auf »Gloom Rock Asylum« (Connected) voll zu ihrem Vorteil auszunützen wissen. Beinahe beschwingt und mit einer satten Prise Pop-Appeal gehen sie diesmals ans instrumentale Werk; einzig Sänger Phred Phinster (sic!) singt nach wie vor, als ob er gerade aus der Kapuzinergruft entstiegen wäre. Dennoch sonnige Gemüter, was sich auch unschwer an ihrer sagen wir mal originellen »California Dreaming«-Version ablesen lässt. Die Produktion ist zudem fett. In Steyr hingegen ist Pop nach wie vor hoch im Kurs. POPSERVER stellen dies mit ihrer titellosen Debüt-Mini-CD (Provinz Records) charmant unter Beweis. Für einen ersten Schuss schon ganz beachtlich, wenngleich an der kalkulierten Naivität noch etwas gearbeitet werden muss. Der textliche Aufruf, weniger zu denken, ist immer fehl am Platz. Es kommt ja immer darauf an, was man und wie man es denkt. Endstation Sehnsucht, sozusagen.