Spemakh

»Nonzigo«

Ana Ott

Spemakh sind ein multi-(nicht-)professioneller Haufen, der sich an verschiedenen Instrumenten vergreift – und zwar mit Absicht. Ohne Rücksicht auf Hörgewohnheiten oder andere Bequemlichkeiten setzen sich die sechs Mitglieder der Gruppe auf der Bühne mit der Frage auseinander, was sie denn zu ihrer eigenen und der Unterhaltung ihres Publikums als nächstes mit der Vielzahl an verfügbaren Klangerzeugungsmitteln anstellen könnten! So entsteht Spontane Musik, deren Muffigkeitsfaktor erfreulich gering, ja beinahe nicht vorhanden ist. Das ist für sich genommen schon kein kleines Kunststück, denn improvisierte Musik oder konzeptionell gerahmte Geräusche von sogenannten »Künstlerschallplatten« können schneller langweilen, als mein nicht vorhandener Papagei »Hurz« krächzen kann. Alt und lang ist sie, die Tradition des informierten Dilettantismus und der musikalisch-philosophischen Pfiffigkeiten. Aber nur weil John Cage schon den Schalk im Nacken sitzen hatte und Adam Bohman oder die Nihilist Spasm Band noch nicht in Rente gegangen sind, heißt das ja nicht, dass man zum Lachen bzw. Lärmen in den Keller gehen muss! Und so kommt es, dass die Gruppe Spemakh unverdrossen, freundlich verstimmt und durchaus nicht gedankenlos in die Saiten, Tasten und zu allerlei Klöppel- und Klingel-Dingsbums greift und sich dabei auch bestaunen lässt – nicht zu vergessen den lautmalenden und Silben zerkauenden Sänger Karl-Heinz, der das akustische Wimmelbild komplettiert. Die vorliegende Schallplatte dokumentiert eine dieser Gelegenheiten und damit kommen wir auch zum einzigen Kritikpunkt der munter dargebotenen Unterhaltungsmusik: Sie ist unsichtbar! »Nonzigo« minus Rambazamba, der Tonträger kann die soziale Erfahrung des Konzerts, den flüchtigen, aber bleibenden Eindruck einer lebensfrohen Aufführung von Musik, die von gelingenden Momenten maximaler Verspieltheit und gegenseitiger Aufmerksamkeit lebt, nicht in sich aufheben. Davon abgesehen: Spitzenplatte!

Das Album erscheint am 29. November 2019.