Sons of Kemet

»Your Queen Is a Reptile«

Impulse/Universal

Jedem, der die furchtbare Phrase, Jazz sei tot, reproduziert, möge man diese Platte KLADOING!!! ins Gesicht klatschen und gleichzeitig gegen das Schienbein treten. Der Sommer 2018 fängt an und hier ist alles, was man braucht, für selbigen, heißen, musikalisch wohl verzierten. Das dritte Album der Fünf-Kopf-Bande aus London erscheint nun auf Impulse – die ahnen wohl schon, was uns die Guten noch alles bescheren werden – und bringt einen abwechslungsreichen Afrobeat, der sich nicht scheut, Genregrenzen zu ignorieren: HipHop-Elemente, Reggae und Dance-Hall, Funk, Techno, Wolof sind zu hören. Die Tubas (sic!), die manchmal klingen, als wären sie auf einer Verfolgungsjagd, errichten die Grundlage, ein Ostinato aus stimmungsvollen, tanzbaren Schlagzeugen (sic!) zieht mit und das Saxophon und die Klarinette singen darüber und lobpreisen das Sein und das Leben. Kraftvoll, lebendig werden hier Ideen vorgetragen. Wem Afrobeat und Tishoumaren zu wenig zielgerichtet sind, der hat hier zumindest ausgedehntes Tanzmaterial.

Mit wem haben wir es hier zu tun? Mindestens zwei der Musiker sind bekannt: King Shabaka, der 2016 das spirituell jazzige »Wisdom of Elders« mit der Band Shabaka and the Ancestors auf den Markt warf (geht steil!). Und Schlagzeuger Sebastian Rochford, Ehepartner von Matana Roberts, der auch diverse Projekte (Polar Bear, Acoustic Ladyland) unterhält. Am Weltfrauentag droppten die fünf Männer Song Nr. 1, »My Queen is Ada Eastman«. Diese musikalische Bombe ist der Großmutter von Shabaka gewidmet, einer Frau, die im Alter von 103 Jahren starb und Familie Eastman als Matriarchin managte. Eindrucksvoll! Auch die restlichen acht Tracks sind mehr oder weniger berühmt gewordenen, besonderen Frauen gewidmet, u. a. den Bürgerrechtlerinnen und Philosophinnen Doreen Lawrence und Angela Davis. Sehr sympathisch und gut so. Der Name des Albums, »Your Queen Is a Reptile« … nun ja, es wird wohl mit Königin Elizabeth zusammenhängen (#Reptiloidentheorie). Scheint so, als trieben die politischen Querelen der Gegenwart tatsächlich Blüten in der Musik. Ein weiterer Beweis dafür, dass Musik interkulturell funktioniert und verbindet.

PS: Wer es mag, checke die brasilianischen Bixiga 70 aus, die schlagen ähnliche Töne an.