Leonard Cohen

»Songs From The Road«

Sony

Da war doch erst vor kurzem eine Cohen-Live-Sache? Richtig, »Live In London« nennt sich das Teil und ist von 2009. Und jetzt schon wieder fast das Gleiche, um den Leuten die letzten Kröten aus der Tasche zu ziehen, meldet sich der Skeptiker in mir. Der Vorwurf erweist sich als haltlos, konzeptionell ist »SFTR« nämlich völlig anders angelegt an »LIL«. In London wurde eine Show dokumentiert, in »SFTR« stammen die zwölf Stücke von verschiedenen Performances, und acht der zwölf Songs dieses Albums finden sich nicht auf der Setlist von »LIL«. Wird alles penibel dokumentiert, die Songauswahl wird sogar von Produzent Ed Sanders kommentiert und begründet. Immerhin gibt es sogar in einem eher starren Gefüge einer Cohen-Show immer wieder klein(st)e Modifikationen. In solchen Fällen wurde die von der Routine abweichende Version verwendet. Wie beiläufig gelingt es dabei dem würdevoll, beinahe demütig auftretenden Poeten (Auslöser für die Tour war Cohens‘ finanzielle Lage) selbst in Megastadien eine intime Atmosphäre zu zaubern. Die vorzügliche Band ist bis auf manchen Schnörkel (Saxofon) ausschlie&szliglich ihrem (Zen-) Meister dienlich, der dafür jedes Bandmitglied (und es sind viele!) während der Show DREI mal lang und breit vorstellt (nicht auf CD). Davon konnte ich mich in der Münchener Olympiahalle selbst überzeugen, nicht zuletzt deshalb dauern die Konzerte auch fast drei Stunden. Hektik ist also des Lyrikers Sache nicht. Für visueller Orientierte gibt’s diese Songsammlung zusätzlich auf einer astrein produzierten DVD mit einem 20-minütigen, von Leos Tochter Lorca gefilmten, launigen »Backstage Sketch«. Als Gimmick steckt in der CD-Hülle noch ein wahrsagender »Miracle Fish« aus Plastikfolie, der auf die Handfläche gelegt – je nach Deformation – einen von sieben möglichen Gemütszuständen anzeigt. Ein wenig schrullig wird man doch im Alter.