David Maranha

»Sombras Incendiadas«

Three:Four

Eigentlich muss hier nicht lange gefackelt werden, um die Musik mit dem geschichtsträchtigen Hinweis auf Tony Conrad (etwa »Four Violins«, 1964) fachgerecht einzuordnen (ohne sie damit gleich als überholt abzuhaken), handelt es sich bei »Sombras Incendiadas« doch um eine Schallplatte, die mit »amplified cello and violin« sowie »electric organ« eingespielt ist bzw. die Gehörgänge zersägt, und auch ansonsten alle Kriterien maximaler Materialbelastung erfüllt. Wehe, wenn die Saiten reißen! Das ist natürlich als Kompliment gemeint. Helena Espvall (vielleicht bekannt durch ihr Mitwirken bei den verblichenen Espers) und David Maranha strapazieren ihre Instrumente und ggf. die Geduldsfäden ungeübter Zuhörer_innen. Daher die Warnung: Wem schon der dröhnende Minimalismus versteckt im »Black Angel’s Death Song« der Velvet Underground die Spinnenbeine wegbläst, der oder die lässt von »Sombras Incendiadas« besser die Finger. Wer allerdings an Free Jazz artigen Feedback-Attacken, an den Noise-Eskapaden der Sonic Youth (die Alben der avantgardistischeren SYR-Reihe), kurz gesagt: an allerlei Spielarten (un)kontrollierten Lärms seine Freude hat, der oder die greife hier zu und wird nicht enttäuscht werden. Das knapp 40-minütige Klangbad zieht alle Register entfesselter Drone-Musik. Zum Gebrauch sei noch ergänzt: Maximum volume yields maximum results, also: »PLAY LOUD!«