Sofa Surfers - 23. 3.2006, WUK

Live räumen die Sofa Surfers mit allen Fragen auf, die ihr Band-Setup mit Sänger Mani Obeya, einer neuen Rock-Stimme, auf Platte offen gelassen hat.

Der Anfang des Konzerts irritiert das Publikum im prallvollen WUK vielleicht noch etwas. Die durchwegs junge Schar war von Mauracher angeheizt worden (Konzertkritik hier), nun beginnen die Sofa Surfers ihr Set relativ ruhig.

Wie auf der CD legt sich Mani Obeyas souliger Gesang über einen rockigen Sound, der seine progressiven Ansätze eher aus den 1990ern als den Seventies bezieht. Phasenweise denkt man, Massive Attack wären als Rockband reinkarniert. Jedenfalls, nachdem nicht nur ich mich gefragt habe, wo diese Art (Rock)Musik ihren Platz hätte, ist nun klar: Auf der Bühne. Eigentlich logisch.

Musik und Gesang sind enger beieinander als noch auf der Platte, nach längerem Touren ist die Band gut mit sich und ihrem Material zusammengespielt. Wo einst Zweifel waren, ob dieses Setup länger funktionieren kann, ob es nur eine Studio-Spielerei war, steht nun die Hoffnung, dass die Sofa Surfers in dieser Konstellation noch etwas weiter machen, nachdem sie ja bisher mit fast jeder Platte neue Konzepte probiert haben. Sie halten sich live mit der Elektronik nicht ganz so zurück wie auf Platte, und vielleicht ist gerade das ein Grund, warum das neue Material nun so richtig lebendig klingt.

Dabei bleiben die Sofa Surfers unkonventionell, so wie Obeyas Lyrics ein anderes Vokabular als die üblichen Rock- oder Soulphrasen kennen, insofern ist er die perfekte Ergänzung. Eine Band hat eine Stimme gefunden und schickt sich gleichzeitig an, Rock zu neuen Ausdrucksformen zu verhelfen, so wie es einst Living Colour, Skunk Anansie oder Faith No More gelungen ist.

Vorerst aber bleibt es bei einer ruhigen Form, kraftvoll, aber fast zu beherrscht, und das junge Publikum wartet ab. Auch ich überlege: Das ist definitiv Rock auf der Höhe der Zeit, aber kann es sein, dass man hier Punk ausspart? Dass die Moderne eher durch Soul-Abstraktion, den pointierten Einsatz der Gitarre (kein Geschrammel) und diverse elektronische Klangtechnik entsteht? Ist das noch Rock, oder nur so was in der Art? Die atmosphärische Dichte und die Qualität sind hoch, aber überzeugt es auch die, die vermutlich nicht nur von FM4, sondern auch von gotv so zahlreich angelockt wurden?

Die Frage erübrigt sich, denn nach ein paar Nummern wird gefunkt, Hardcore und Noise-Elemente dürfen im Weiteren an der langen Leine laufen. Nun wird vermehrt getanzt, die Sofa Surfers entwickeln beinahe ravige Dimensionen, haben dabei ihren Sound aber immer spürbar im Griff. Vielleicht deswegen kein Pogo und Stagediving, was theoretisch möglich wäre. Gegen Ende wird’s dubbig, Markus Kienzls monströser Stampfer »Long Bone« lässt grüßen.

Beim ersten möglichen Schluss beeindruckt Wolfgang Frisch mit einer Gitarre im Stil von Jimi Hendrix‘ »Little Wing«, danach folgen wegen anhaltendem Gejohle aber noch weitere Zugaben, das stilistische Potpourri divergiert zusehends von Stück zu Stück. Trotzdem ist der Sound der Band charakteristisch, und Mani Obeya fügt sich tanzend ein, wenn er grade nichts zu singen hat.

Ob das nun Rock ist oder nicht, live sind die Sofa Surfers große Klasse. Umso erfreulicher die Bestätigung von Wolfgang Schlögl, dass man nun erst mal bei dieser Konstellation bleiben will, auch im Sinne von Alben. Das Potenzial ist jedenfalls noch nicht ausgeschöpft.

Artikel/Radiofeature zu Sofa Surfers & Mauracher
http://www.wuk.at/index.php/kultur/magazin/101/magazin_archiv_2006.html
http://uton.univie.ac.at/modules.php?op=modload&name=Sections&file=index&req=viewarticle&artid=439