Jason Arigato

»Sad & Slow Songs«

Echokammer

Keine Frage, Jason Arigato hat sein Debüt treffend betitelt. Die erste Hälfte der »Sad & Slow Songs« ist sogar derart traurig und langsam, dass sie sich nicht einmal ein Schlagzeug erlaubt. Stattdessen leben die ersten sieben Lieder lediglich von einer meist akustischen Gitarre und dem Gesang Arigatos. Wie eindringlich dieser Gesang und diese Gitarre aber sein können, zeigt das Beatles-Cover »Rain«: Arigato gewinnt der B-Seite von »Paperback Writer« aus dem Jahr 1966 – von den Fab Four ziemlich beiläufig heruntergespielt und -gesungen – mit extremer Reduzierung und sensibler Intonierung deutlich mehr Tiefe ab. An anderer Stelle erzeugen mal geisterhafte Hintergrundgeräusche, mal seltsame Gitarreneffekte eine geheimnisvolle, entrückte Atmosphäre. Mitunter geraten die Songs aber auch recht konventionell, beim all zu energischen »Every Breath« etwa, oder dem aggressiven »Not the Blade Runner« mit seinen Klischeeriffs. Das ändert sich auf Seite zwei wieder: Als gelte es, die Antithese zur ersten Albumhälfte aufzustellen, packt Arigato plötzlich doch noch jede Menge Instrumente aus. Auch mit allerlei Effekten, Synthie-Klängen, Violinen und Beat behalten die Lieder aber ihre psychedelische, jenseitige Aura, ganz gleich, ob mit leiernder Unterwassergitarre (»Sing My Song«) oder mit Countryfiddle (»Everything Is Going«). Auf dem Albumcover ist Albert Pöschl, so Arigato mit bürgerlichem Namen, als Grande Dame mit Bob-Frisur zu sehen. Unter der Perücke verbirgt sich aber ein selten ernster Pöschl. Schlie&szliglich ist der Echokammer-Labelchef mit Queen bzw. King of Japan oder Suzie Trio sonst eher humorvoll unterwegs. Dass er bei seinem Ausflug auf das dünne Eis der Ernsthaftigkeit nur selten einbricht, verdankt er vor allem der seltsam schimmernden Melancholie, die seine besten Songs evozieren. Der »big black rainbow«, von dem Arigato im gleichnamigen Song singt, sitzt auch in den schwarzen Rillen des Vinyls und den regenbogenfarbenen Reflexionen der CD.