Tom Wu

»s/t«

Echokammer

Ein dunkler, kleiner Club, in der Mitte ein geschmackvoll gekleideter Mann hinter einem glitzernden Schlagzeug, flankiert von zwei sich schlangenhaft bewegenden Damen, ganz in schwarz, später weiß gekleidet, das alles in psychedelische Visuals getaucht und in dröhnende, düstere Töne getunkt: Tom Wu live ist eine Erfahrung, kein Auftritt oder Konzert. Endlich gibt es die seltsam verwunschenen Songs jetzt auch auf Platte. Natürlich kommt die nicht an das Live-Erlebnis heran, trotzdem versprühen die insgesamt neun Songs auch ohne die visuellen Komponenten ihre unvergleichlich geheimnisvolle und düstere Stimmung. Verantwortlich dafür zeichnen die dunklen Synthies, die man sich gut in 80er-Jahre-Psychothrillern vorstellen kann, der verhallte Gesang, der aus einer anderen Welt zu kommen scheint, und das prägnante Schlagzeug, das gerne unkonventionell, aber nie angeberisch klingt. Ob bei Eigenkompositionen wie dem treibenden »Separate« oder dem Velvet-Underground-Cover »Venus In Furs«, einer der sicherlich eigenwilligsten Versionen dieses oft gecoverten Songs, immer gilt: Das hat man so noch nirgendwo gehört. Und so geheimnisvoll-düster die Songs auch klingen, sie sind immer noch tanzbar. Dazu kommt ein subtiler Humor, etwa wenn »Don’t Call Me A Duck« von quakenden Synthies begleitet wird, oder »Celibate Man« von einem enthaltsamen Mann vor seinem Bildschirm erzählt. Tom Wu – in fast allen Gassen anzutreffen, die zum Münchener Label Echokammer, aber auch anderswo hin führen – trommelt sonst bei Das Weiße Pferd, King of Japan, The Lazy, Convertible, früher bei Kamerakino und live bei Hans Platzgumer, um nur ein paar zu nennen. Als Solo-Act macht er (auch live) alles selbst, spielt Schlagzeug, schiebt die Synthie-Flächen an, singt. Anders als bei vergleichbaren Multitasking-Acts hat das aber nie den Beigeschmack einer Circus-Attraktion. Denn die fremde Schönheit dieser Songs packt einen von der ersten Sekunde an.