Depart

»Refire«

Intakt Records

»Refire« von Depart, einem Jazztrio mit Harry Sokal am Saxophon, Heiri Känzig am Bass und Martin Valihora an den Drums, fällt uns in die Hände mit einer ausführlichen Biographie Harry Sokals, die zugleich Würdigung ist, war doch Sokal nicht nur langjähriges, unverzichtbares Mitglied des Vienna Art Orchestras, sondern hat mit allen möglichen Größen des europäischen und amerikanischen Jazz gespielt, von Joe Zawinul über Art Farmer oder Carla Bley bis Terje Rypdal. Auch das Depart-Trio hat seine Geschichte, es wurde schon 1985 gegründet, machte nach zweimaligem Wechsel des Drummers längere Pause und ist nun mit Martin Valihora am Schlagwerk zurück in alter Form. Und diese Form ist das genüssliche Abfeiern der späteren Jazzgeschichte, wobei Sokal und Co. vor allem der Eingängigkeit und dem Spielwitz treu bleiben, wofür es natürlich kräftig grooven muss, vorzugsweise in funkige Richtung. Das ist, keine Frage bei so einem Kapazunder, ein einziger Hörgenuss, versüßt zudem durch herrliche Querschüsse wie dem »Erzherzog-Johann-Jodler« oder dem »Guggisberglied«, die quasi aus dem Handgelenk heraus in den Jazz eingemeindet werden. Beeindruckend auch die Vielseitigkeit von Sokal, der sich auf »Funk Straight« zudem als Eddie Harris-Fan outet, bei dem erstmals die Verdopplung der Saxophonstimme via Effektgerät zu hören war (womit sich übrigens auch Karlheinz Miklin einst gespielt hat, etwa auf der grandiosen Platte »Instant Two« von 1983). Fazit: eine äußerst kurzweilige, herrlich anturnende Sache, die übrigens auch ohne überschwänglich würdigender Biographie bestens funktionieren würde.