Futureheads

»Rant«

Nul Records

Der Pressetext gibt sich reichlich Mühe, die neue und mittlerweile fünfte CD der Futureheads als au&szligergewöhnlich, atemberaubend und äu&szligerst riskant zu positionieren. »Our fanbase are gonna find this record quite bizarre«, darf Gitarrist Ross Millard sagen – und würde er sich da nicht auf die »Fanbase« sondern auf eine unbedarfte Hörerin beziehen, hätte er wohl recht. »Rant« ist blanker A cappella, kein Instrument, nicht ein einziges, kommt hier vor. Wenn man so will: »Only you« von den Flying Pickets, 34 Minuten lang – nur weniger streichelweich. Vielmehr mit rotzfrecher Attitüde dargeboten, kraftvoll, fast punkig, zugleich in harmonischer Hinsicht äu&szligerst klassisch. Dass neben drei bereits bekannten Futureheads-Songs unter anderem vier Folkstandards und eine Sparks-Nummer vorkommen, sagt schon fast alles. Was die Presseaussendung unter den Tisch fallen lässt: Dass die Futureheads mehrstimmigen Gesang lieben – und auch beherrschen – ist seit ihrem gleichnamigen Debüt von 2004 der besagten »Fanbase« bestens bekannt. Die erste CD war eine gelungene Mischung aus unverbraucht-krachigem Punkrock, der sich immer wieder in gro&szligartige, mehrstimmige Gesangsarrangements verirrte. Der Nachfolger »News and Tributes« verstand es weder die eine noch die andere Qualität weiter zu kultivieren, doch mit CD 3 & 4 fand man allmählich zu alter Form zurück (siehe etwa »Jupiter« auf dem Vorgänger »The Chaos«). Die Fans kannten überdies einige vokalbereinigte Alternativversionen, die via YouTube und Co. im Netz kursierten. »Rant« bietet das nun in Reinkultur. Dazu darf man sagen, dass das eine gewisse Frau Björk auf »Medúlla« zwar einfallsreicher und unverbrauchter hingekriegt hat (aber kein Wunder, war sie doch wieder einmal mit allen angesagten kreativen Geistern im Bunde), aber die poppige Eindimensionalität ihres Zugangs machen die Futureheads mit handwerklicher Raffinesse mehr als wett. Die Arrangements sind gro&szligartig, verraten anhand vieler Details, mit wie viel Herzblut man hier ans Werk gegangen ist. Man höre nur das Intro von »Thursday« oder staune darüber, was aus einem eher mageren Song der Sparks hervorgezaubert wurde. Besonders hörfällig ist, dass selbst die Folksongbearbeitungen ins Poppige rutschend, ja, dass im Grunde jeder Songs auf der CD regelrecht »futureheadisiert« wurde. Aber wie sagt der zweite Gitarrist Barry Hyde ebenfalls in der Presseaussendung? »A Futureheads Fan who doesn’t get ??Rant?? is not a Futureheads fan.« Auch hier kann man den Fanbezug weglassen. Für wen A cappella kein rotes Tuch ist, der wird hier glücklich. Eine glorreiche Sache.