Philipp Quehenberger - Elektronik in der Lederjacke

Rock, der am nicht-geerdeten Starkstromkabel nuckelt, Beatgewitter und bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Melodiefragmente quellen aus den Lautsprechern. Obwohl erst seit drei Jahren in Wien, kann Philipp Quehenberger von sich behaupten, dass er schon jeden (mittel-)großen Club mit seinen zähfließenden Electronica-Rock-Nummern devastierte. Sein Debüt »QBBQ« ist auf Cheap erschienen.

Rocket IBK

Quehenberger ist an sich ein vorbelasteter Musiker. Das Ding mit der Elektronik begann bei ihm schon mit 12 Jahren. Sein Vater hatte ein Studio und war Theatermusiker, seine Mutter Country-Sängerin in Seattle und Innsbruck. »Innsbruck ist ein hartes Gitarren-Pflaster«, meint er. Als er Mitte/ Ende der 90er dort mit der damaligen Formation Devil Duo zusammen mit Otto Horvath in diversen österreichischen Locations aufgeigte, war Punk und Rock das Ding. Und so was will Jazz-Pianist werden? Er hat in Innsbruck und Wien am Konservatorium Jazz-Piano gelernt. Das war aber auch nicht das Wahre. Am ehesten hat seine englische Techno- und Rave-Sozialisation Spuren in den aktuellen Produktionen hinterlassen, kurzgeschlossen mit Pianisten der Marke Glenn Gould und Herbie Hancock. In Innsbruckheimste er das nötige Rüstzeug für später ein, hatte in der Workstation seinen Proberaum und war dort kurzzeitig in leitender Funktion tätig. Doch dann: Wien.

Free Flow of Energy

Ein Homerecording-Studio, eine massive Produktionsstätte. Ein Hendrix-Poster, Led-Zeppelin-Platten und kiloweise Musikbücher. Er arbeitet mit nur 8 Spuren, damit es auch live umsetzbar ist: 2 Keyboards, Aufnahmegerät, Mischer, eine TR-707 und ein Micro. »Ich habe \’99 im rhiz gespielt. Dort bin ich von phonoTAKTIK-Leuten angesprochen worden und habe für den Max-Brand-Sampler eine Nummer aufgenommen.« Ein entsprechender Live-Auftritt folgte.
Dazwischenliegende Stationen waren der Gürtel-Nightwalk, Konzerte u.a. mit DMN und hauptsächlich solo. Das Fashion-Label fabrics interseason engagierte ihn für ihre Präsentation »Lodge« im Wiener MAK. Resultat: Eine Ende 2001 auf Ego Vacuum veröffentlichte 12".

Mit Philipp Quehenberger zeigt sich eine »dritte Welle« an jungen Musikern, die sich ihren Platz zwischen den Angestammten und dem mancherorts aufgepappten »Sounds-Of-Vienna«-Sticker freispielen müssen. Quehenbergers Trademark: harsche, mehrfach gebrochene Techno-Electronica (»Copa BBQ«), die Soundtrack-Qualitäten hat (»Im Bad«, »Steering Hole«) und live den Headbanger freisetzt, der sich im Trance-Fieber windet. Multi-layered Tracks, die sich dem leichten Zugang verschließen, gleichzeitig ein Koordinatensystem aus Jazz mal 70ies-Minimal korrumpieren, sich ATR, Suicide und Cecil Taylor miteinander ausgehen, Eigen-Samples dazugepastet werden und meist ein sonores, mittelfrequentes Rauschen eingebaut, so als ob die Nummern von weit außerhalb kämen. Modulierte Störfrequenzen, aus denen sich die Beats schälen.
»Ich will die Energie beim Spielen auch live freisetzen können. Das scheint zu funktionieren, immerhin sind die besten Kontakte durchs Live-Spielen zustande gekommen. Es muss halt schon rocken. Sonst isch des nix.«

Cheap zeigte sich von seinen Track angetan. Für »QBBQ« hat man sich einiges vorgenommen. Die Vinyl-Version ist als 10" plus Single-Release geplant.

www.cheap.at