Ikue Mori

»Phantom Orchard«

Mego

Nachdem böse Zungen bereits über angebliche Stagnation im Hause Mego lästerten, holt das Wiener Label zum furiosen Gegenschlag aus und beweist mit diesem neuen Release, dass es im Feld elektroakustischer Musik noch genug Großartigkeiten zu entdecken gibt. Entdecken ist hier allerdings wahrscheinlich das falsche Wort, sind die beiden Künstlerinnen Zeena Parkins und Ikue Mori längst schon etablierte Ikonen ihres Fachs. So ist die eine, Pionierin der elektronischen Harfe, neben ihren Platten z.B. auf Tzadik in den letzten Jahren durch ihre Kollaborationen mit Hole oder Björk auch einem breiteren Publikum bekannt geworden, während Mori schon Anfang der Achziger bei den legendären DNA die Drums bediente, sehr bald ihr Kit durch Drumcomputer ergänzte, um schließlich ganz zum Laptop zu wechseln. Und wahrhaftig, schon lange nicht mehr war eine Verquickung von traditionellem Instrumentarium und digitalem Wahnsinn von soviel abgründiger Schönheit geprägt. Vom zurückhaltenden, sich gemächlich steigernden Opener »Jezebel« ausgehend, eröffnen die beiden »swinging cats« einen Phantomreigen, der im Walzerschritt zwischen Spooky Boogie, FM synthetischem Zähnefletschen und verdeckter Stille schier die Rillen des Formats sprengt oder zumindest die Repeatfunktion des Abspielgeräts selbständig anwirft. Magic, mysterious, must have!