Patricia Brennan

»Maquishti«

Valley Of Search Records

Die in Mexiko geborene und in New York lebende Vibraphonistin Patricia Brennan gilt mit ihrem im Jänner 2021 vorgelegten Debütalbum schon jetzt als eine »musician to watch«. Das ganz Besondere an diesem Album: Es ist ein Soloalbum, also Vibraphon (und vereinzelt auch Marimba), völlig unbegleitet. Grandios, mutig und gänzlich Ego-frei! Debüts von jungen Musiker*innen haben nicht selten die Tendenz, eine möglichst allumfassende Leistungsschau sein zu wollen, mit vielen Noten und viel technischer Virtuosität. Patricia Brennan liegt all das denkbar fern. Sie nähert sich dem Instrument mit einem ganz anderen Zugang: Klangentfaltung,   Langsamkeit, Tonfärbung, Raum und Stille. Die Stücke auf »Maquishti« sind größtenteils aus Improvisationen im Studio entwickelt worden und weisen spontane Wendungen und einen enormen Ideenreichtum auf. Der gelegentliche Einsatz von Gitarreneffekt-Pedalen trägt mysteriöse Farbtöne auf das lockere Notenmosaik auf und verleiht Brennans Sound neben der Reduktion und dem unfassbar differenzierten Anschlag noch ein zusätzliches Wiedererkennungsmerkmal. Mystisch-verträumte Klangkaskaden wie »Sonnet« können dabei ebenso entstehen wie das groovy anmutende »Magic Square«. Patricia Brennan ist schon seit einigen Jahren regelmäßig an spannenden Projekten der New Yorker Jazz-Avantgarde beteiligt; Gitarristin Mary Halvorson, Bassist Michael Formanek und Schlagzeuger Marcus Gilmore sind nur einige der Kollaborateur*innen, die die Vibraphonistin in ihren Projekten haben wollten, und sicherlich hätte Brennan diese Leute auch für ihr eigenes Album engagieren können. Dass sie sich trotz dieser Möglichkeiten für eine Soloaufnahme entschieden hat, zeugt von der Stärke und Präzision ihrer musikalischen Idee, die sich im spannendsten Vibes-Debüt seit vielen Jahren manifestiert.