Various Artists

Overcome, Vol.1 & 2

Trikont

Mit »Preaching In Rhythm And Funk« sowie »Sanctified Soul And Holy House« serviert uns
Jonathan Fischer wieder einmal Musik wie nicht von dieser Welt. Diesmal sogar fast wortwörtlich. Geht es hier doch nicht nur um das Herbeisingen von Jakobsleitern, sondern vor allem darum, dass der »Spirit« durch die Kraft der Musik sozusagen in die Gläubigen fährt. Was mit hiesigen Verständnissen von Gottesdiensten (egal ob katholische oder protestantische »rhythmische Messen«) natürlich absolut nix zu tun hat. Mit Afrika (Yoruba-Kulte) dafür umso mehr. Bei Voodoo und Santeria ist es bekanntlich ja auch nicht wesentlich anders. Es gibt da mehr Götter, wobei einige gleichzeitig »afrikanisch« wie »katholisch« sind. Synkretismus rules! Aber zurück zum Thema! Neben eher bekannten Acts (Staple Singers, Otis Clay) gibt?s es hier jedenfalls irrsinnigsten (von Gott geküssten) Pedal-Steel-Gospel (mit wirklich »Nicht-von-dieser-Welt-Stimmungen«), mit Stromgitarre und Standtrommel bewaffnete Wanderprediger wie Reverend Louis Overstreet (der bei »I?m A Soldier In The Army Of The Lord«, wenn vom »Lord« berührt, wahnsinnige und absolut unverständliche Screamin? Jay Hawkins-Laute ausstößt) sowie Acts wie die Crownseekers, die mit ihrem sozialkritischen Marvin Gaye/Curtis Mayfield Gospel-Funk »Keep On Trusting In The Lord« als Losung ausgeben. Und dann gibt es auch noch die härtere Fegefeuerabteilung. Etwa Reverend Julius Cheeks? »Nobody?s Fault But Mine« (1979 Live in Washington, D.C. mitgeschnitten), wo die Gnade Gottes im ersten Moment so brennt wie die zuvor ausgemalenen Qualen des Höllenfeuers. Abgeschlossen wird mit dem New Jersey Mass Choir, dessen »Jesus Is Right On Time« (1985) hottesten Kanzel-Funk darstellt, der, wenn alle glauben, es sei nun vorbei (bzw. das Himmelreich erreicht), mit einem unglaublichen James »Bewildered« Brown/Afro-Percussion-Break wieder loslegt sowie mit DJ Spen?s 1997 auf Basement Boys erschienener Gospel-House-Offenbarung »Solid Ground« der Jasper St. Company, die nicht einfach Gospel Choir plus House-Groove ist. Sondern eher den umgekehrten Weg geht. Also dass, was einst Ray Charles von der Kirche (mittels »Lord«, »Jesus« durch »Baby« ersetzen) auf die Strasse und in die Charts gebracht hat, wieder zurück in die Kirche bringt. Diesmal nur unterlegt mit einem der unwiderstehlichsten und gefinkelst die jeweiligen Höhepunkte hinauszögernden House-Groove.
Also zwei CDs voll mit Trance, Ekstase, Rausch und Hingabe zu Ehren Gottes aus dem vielfältigen Kirchenmusik-Fundus afro-amerikanischer Glaubensgemeinschaften. Allein die komplett in Ekstase befindliche Kirchenchöre im Himmelsleiter-Duell mit losfetzenden Hawaii-Gitarren muss man einfach gehört haben!
P.S.: Die beiden Arhoolie-CDs »Sacred Steel« und »Sacred Steel – Live At The House Of God Church« sollten, falls noch nicht erworben, sofort nach- bzw. dazugekauft werden!