OG Keemo

»Mann beißt Hund«

Chimperator Productions

Lange war es ruhig um OG Keemo und sein 2019 erschienenes Debütalbum »Geist« liegt dann doch schon wieder einige Zeit zurück. Während viele die Pandemie nutzen, um Release-Rekorde aufzustellen, verhält es sich bei OG Keemo anders. Und »Mann beißt Hund« macht sehr schnell klar, wieso hier keine Release-Maschinerie am Werk ist, sondern ein Rapper, der einen Roman schreibt und vertont. Keine 30-Minuten-»Alben«, die für den Algorithmus optimiert werden, sondern ein Longplayer, der in beinah 60 Minuten besser als jeder Spielfilm Geschichten aus OG Keemos Leben erzählt. Die Singles, die bisher erschienen sind, ließen zuerst auf ein klassisches OG Keemo Album schließen, sind aber Teil eines großen Ganzen. Das große Ganze beginnt bei Malik, der in der Siedlung wohnt und auf »Anfang« – nicht nur bei OG Keemo – ziemlichen Eindruck hinterlässt, und geht weiter bis zu »Töle«, wo sich die Sichtweise ändert und aus der Perspektive von Malik erzählt wird. Immer wieder findet man sich innenhaltend, wenn OG Keemo mit seiner Stimme und seinem Flow die Story vorantreibt, und immer wieder fühlt man sich wie in einem Spielfilm, zu dem Funkvater Frank den Score liefert. Einige Samples hier und da sind HipHop-Hörer*innen wohl schon von US-Tracks bekannt, wurden aber neu interpretiert und haben so auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung. Die Kombination funktioniert und auch die Features passen perfekt in das von OG Keemo gestaltete Bild. Am stärksten ist hier sicher Kwam.E, der mit seiner unverkennbaren Stimme auf »Blanko« den Track eine Ebene höher hebt. Ob man im Jänner schon das Album des Jahres küren kann? Vielleicht. OG Keemo jedenfalls startet 2022 mit einem der besten Deutschrap-Alben der letzten Jahre und schafft das ganz ohne Autotune, BlingBling-Geprotze oder sonstigen leeren Phrasen. Vielmehr erzählt er Geschichten, die unter die Haut gehen, viel von ihm preisgeben und genau dadurch »Mann beißt Hund« zu einer neuen Größe im deutschen Rap machen. Hoffentlich nehmen sich mehr Artists im Rap-Game dieses Album zum Vorbild, gehen zumindest inhaltlich zum Ursprung zurück und fokussieren sich mehr auf Storytelling und weniger auf leere Floskeln, die so austauschbar sind wie die ihrer amerikanischen bzw. französischen Vorbilder.