Vera Kappeler

»O hett i Flügel«

Veto Records

uf »O hett i Flügel« spielt Vera Kappeler Kompositionen von Paul Burkhardt auf Klavier, präpariertes Klavier und Spieldose ein. So weit, so unspektakulär. Nun muss man wissen, Paul Burkhardt ist ein Schweizer Komponist von Operetten und Musicals. Praktisch jeder Mensch kennt zumindest eine Komposition von ihm: »O, mein Papa«. Veto Records wiederum ist ein Schweizer Label, das überwiegend Impro- und Experimentalmusik veröffentlich. Und Vera Kapeller ist eine Schweizer Jazzpianistin, deren Spiel ein wenig unberechenbar ist. Obwohl bereits mehrfach preisgekrönt, ist es dennoch nicht leicht, sie in eine bestimmte Ecke zu stellen. Muss ja auch nicht. »O hett i Flügel« ist in dieser Hinsicht die vollendete Bestätigung. Den unkaputtbaren Klassiker »O, mein Papa« taucht sie in sphärisch klimperndes Licht, auf »Die Welt ist gross und weit« wird ihr Anschlag episch, irgendwo zwischen Bill Evans und Brad Mehldau, »Mis Chind« wiederum kommt mit einer beinahe volkstümelnden Naivität daher und auf »Ich mag nicht Rosenkohl« humpelt das Stück zwischen Barrelhouse und unbeschwerten Autodidaktengeklimper herum. Das ist einerseits herrlich verspielt, andererseits doch auch von einer fatalen Tristesse beseelt, die sich gegen simple Interpretationen sperrig verwehrt. »O hett i Flügel« ist ein sprödes Kleinod mit irrlichternden Facetten. Große Empfehlung.