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Eine kleine Barke auf dem Ozean, die Wellen gehen hoch und nieder, schwungvoll, als wären es blo&szlig Attrappen, aus Zellophan nachgebildet. Hoch oben am Firmament, die Theaterdecke natürlich, steht ein gravitätischer Mond, der, würde man sich der Schicksalhaftigkeit dieser Szenerie ergeben, die romantische Schwermut aus dem Betrachter regelrecht herauspresst, bis am Ende nur noch Johannesbeerensirup übrig ist. Willkommen beim Hörerlebnis von »Nude«, performt von den Irrepressibles, einem »Popart Orchester« rund um Sänger und Berufsträumer Jamie McDermott. Gesangstechnisch gehen wir hier ganz nahe bei Antony (Johnson) vor Anker. Beide sind Meister des vibratoschwangeren Herzschmerzes, beide stehen knietief im homoerotischen Wangenrot. Musikalisch geht dieser Pop aber viel mehr in die füllige Breite (ozeanhaft eben), weswegen dieses »bezaubernde Popspektakel« dann doch um ein Eck verklärter und verkitschter daher kommt. Aber die effektvolle, weil zur Not zurückhaltende Orchestrierung und der dezente Elektrocharme werden wohl auch den Weg zum Verkaufserfolg ma&szliggeblich ebnen. Und den hätte sich »Nude« durchaus verdient, trotz massiver Kitschsturmwarnung. Denn auch Kitsch ist bekanntlich hohe Kunst. Wenn man ihn aushält.

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