Nik Bärtsch\'s Ronin - Ampère, München, 16. April 2008

Zen und Funk, kein Widerspruch.

Nik Bärtsch bezeichnet seine Arbeit mit Ronin von Beginn an als Zen-Funk. Und steht nach eigener Aussage nicht so sehr dem Jazz als der rituellen/sakralen Musik und der neuen Klassik nahe. Zen-Funk: Ein Paradoxon. Zen, das wäre die Stille. Funk, das ist Rhythmik von Grooves.
Bärtsch sagt die Stücke aus »Holon« (ECM/Lotus), von ihm Module genannt, ironisch mit »Lieder aus unserer Heimat« an. Wohl eine Anspielung auf Japan, wo er einige Zeit verbrachte. Ronin ist die Bezeichnung für herrenlose Samurai Japans.
Die Band findet anfangs aus eher konventionellen Positionen, denen ich sonst nicht zuhöre, noch kaum zu einem wirkenden Ganzen zusammen. Noch ist mir nicht klar, ob mit nur oberflächlichen esoterischen Ebenen gespielt wird oder ob dieses energetische Feld aus Reduktivem, Repetetivem und Improvisation zu funktionieren beginnt, das ich von Ronin erwarte. Das auch dem philosophischen Begriff Zen gerecht wird und bei dem die Härte des Funk spürbar ist. Doch genau auf dieses Level bringen die Musiker das Konzert. Ronin sind Nik Bärtsch (piano & fender rhodes), Kaspar Rast (drums), Andi Pupato (percussion), Björn Meyer, (bass), Sha (bass-, contrabass clarinets). Was zuerst wie einfache, virtuose Technik und nur perfekte Phrasierung, wie ein Ineinanderfließen, Ineinanderdriften von Harmonien und Soli scheint, wird dann zu komplex arbeitenden Strukturen und Motiven, wird zum Greifen von Pattern bei Entstehen von konzentrierter Energie, der Minimal Music, der japanischen Ritualmusik nahe, und bewusst werden die verzahnten Rhythmen des Funk mit eingesetzt. Der Gedanke des Gestylten ist nur manchmal eine Idee zu nah. In den Modulen öffnet sich regelrecht auch eine bestimmte Sphäre räumlicher Erfahrbarkeit, wenn man die Sensibilität dafür hat, im in sich sehr geschlossen wirkenden Set, bei dem das Lightdesign gezielt mit eingesetzt wird.
Mit Beginn der Zugabe, einem Modul aus dem Vorgängeralbum »Stoa«, kommt dann mehr metallische Kantigkeit ins Spiel und ich meine, dass eigentlich erst dadurch tatsächlich auch so etwas wie ein Moment tranceartiger Qualität freigesetzt werden kann. Doch bei den vorher eher klareren, ruhigeren »Holon«-Modulen war das wohl latenter, wirkten bestimmte Kerne unterschwellig auf feinere, subtilere Art.
Und da war dann auch die Musik-Businessfrau, der das Konzert durch die Zugaben zu lange dauerte, wegen des bestellten Tisches für danach. Warum so jemand, dem es offensichtlich nicht um den Effekt und die Tiefe der Musik geht, in einem Ronin-Konzert ist, weiß ich nicht. An dieser Stelle werfe ich jetzt eine Frage in Sachen Zen und Musikhören auf, indem ich aus »Methaphern (Wenn die Klänge die Klänge wären)« (2004) von Peter Ablinger zitiere, der wiederum ein Zitat eingebaut hat: »… Der Zen ist kein Ziel. Das Nichts ist kein Ziel. Sie sind Voraussetzungen für das was ist, das Leben.« – »Es ist für den kultivierten Menschen schwer zu glauben, dass seine Art der Wahrnehmung von Musik in der Tat die niedrigste Stufe der Möglichkeiten darstellt, die der Musik innewohnen.« (Hatim el-Askari)…«