Paal Nilssen-Love Septett © Paal Nilssen-Love

Neuerliche Versuchsanordnung zur Publikumsverjüngung

Vom 18. bis 21. August 2022 geht das Jazzfestival Saalfelden über die Bühnen bzw. unkonventionelle Schauplätze. Denn Mario Steidl, dem Intendanten des Festivals, schwebt weit mehr als nur ein Jazzfestival für Spezialist*innen vor.

Seit 2019 verschwanden große, kanonisierte Jazznamen zunehmend aus dem Programm des Jazzfestivals Saalfelden und wichen zu einem guten Teil der gegenwärtigen Jazz-Generation. »Wir wollen die großen Namen von heute und von morgen bringen, nicht die großen Namen von gestern«, bringt Intendant Mario Steidl im skug-Gespräch die Festival-Intention auf den Punkt. Das folgt einem klaren Auftrag, denn es gelte auch, das zum Teil »verquere Bild« von Jazz in der breiten Bevölkerung und auch bei jungen und jüngeren Menschen zurechtzurücken.

»Wenn sie damit in Kontakt kommen, sind sie erst einmal überrascht, was Jazz ist und sein kann«, berichtet Steidl über seine Erfahrungen. Diesbezüglich habe das Jazzfestival Saalfelden, das ein »Begegnungsort sowohl für Musiker*innen als auch für Besucher*innen sein will«, gewissermaßen einen Bildungs- und Vermittlungsauftrag. »Wir setzten den Rahmen dafür, dass Begegnungen zwischen Musiker*innen selbst und zwischen Musiker*innen und Publikum möglich werden«, so Steidl.

Vijay Iyer © Ebru Yildiz

Gratiskonzert zum Jazz-Erstkontakt

Damit der Kontakt zwischen Musiker*innen, die verschiedenste Spielarten des Jazz zelebrieren, und Publikum möglich wird, setzt man in Saalfelden seit 2019 zunehmend auf Konzerte mit freiem Eintritt. »Es gibt insgesamt 15 Konzerte, die nichts kosten und bei denen wir Erstkontakte mit Jazz ermöglichen wollen«, erklärt Steidl. Gespielt wird dazu zunehmend auch an verschiedensten Orten: In der Kunsthalle, in einer Buchbinderei und heuer erstmals auch in einem alten Bauernhaus.

Was daraus entstehen soll, ist evident: »Wir wollen weg davon, dass das Festival wie ein Fremdkörper in einem kleinen Ort mitten in den Bergen landet, sondern es soll Teil des Ortes werden«. Um dieses Projekt zu ermöglichen, begibt man sich zum Teil auch weg von Jazz per se. »Im Park und im Kunsthaus Nexus haben wir auch Gratiskonzerte programmiert, die eher in Richtung Pop, Weltmusik oder auch HipHop gehen«, sagt Steidl.

Damit soll vor allem eine Übung gelingen: Das Publikum zuerst für das Festival selbst und dessen Offenheit zu begeistern, dann zu einer Jazz-Impro-Session, ebenfalls bei freiem Eintritt, zu bewegen und schließlich neues Publikum für die Mainstage im Congress Saalfelden zu gewinnen. Denn dort schlägt das eigentliche Jazz-Herz des Festivals. In diesem Jahr womöglich sogar lauter als je zuvor. »Wir möchten heuer ein besonders lautes Lebenszeichen senden und haben deshalb den Schwerpunkt auf große, orchestrale Projekte gelegt«, so Steidl.

Pussy Riot © Denis Sinyakov

Highlights und Empfehlungen

Auf die Fragen nach persönlichen Highlights will sich Steidl nicht wirklich einlassen. »Ich mag alles, sonst hätte ich es nicht so programmiert«, sagt er. »Aber ich bin schon stolz, dass Leute zu uns kommen, um Sachen zu hören, die sie sonst nicht zu hören bekommen«, fügt er hinzu. So lege man etwas viel Wert darauf, dass sich auch neue Formationen finden. »20 Prozent unserer vorgestellten Projekte sind keine fix-fertigen Bands, sondern begegnen sich und proben dann bei uns«, erklärt Steidl.

Ein Blick ins Programm legt dann aber schon einige Highlights nahe: Jason Moran spielt am Freitag, dem 19. August um 15:00 Uhr bei den »Short Cuts« im Kunsthaus Nexus und Paal Nilssen-Love gibt sich in Septett-Form die Ehre um 19:45 Uhr auf der Mainstage. Am Samstag, dem 20. August um 23:30 Uhr sind Pussy Riot bei freiem Eintritt bei den sogenannten »City Tracks« im Kunsthaus Nexus zu erleben. Das Vijay Iyer Trio gibt sich am Sonntag, dem 21. August um 20:45 Uhr auf der Mainstage im Congress Saalfelden ein Stelldichein und Lukas König verantwortet die Final Royal Session um 21:30 Uhr im Kunsthaus Nexus.

Lukas König © Michael Geißler

Link: https://www.jazzsaalfelden.com/