Ought

»More Than Any Other Day«

Constellation

Bei Ought handelt es sich offensichtlich um den Fall eines zweifachen arrested developments. Zum einen ist diese Diagnose durchaus wörtlich zu verstehen: Die kanadische Band scheint in der frühkindlichen Phase stecken geblieben zu sein; ist im Wechselspiel zwischen Bitzelattacke und Planschbecken, zwischen Stromladung und Erschöpfung gefangen und denkt darüber hinaus nicht über die Konsequenzen des eigenen Handelns nach. »Nur noch zwanzig Feedback-Schleifen, Mama!« Im Unterschied zu kleinen Kindern gehen Ought aber nicht schon um acht Uhr ins Bett, sondern bofeln um diese Zeit backstage vermutlich die ersten Halluzinogene. Auch musikalisch scheint die Band in vergangenen Zeiten zu verharren. Bevorzugtes Dezennium des Quartetts dürften die Jahre 1980 bis 1989 sein, als der Rockstammbaum um Verästelungen wie Post-Punk, Noise-Rock und Post-Hardcore erweitert wurde. »More Than Any Other Day« ist aber erfreulicherweise nicht bloß schulbankgerechtes Malen nach Zahlen, sondern päppelt manch öd gewordenes Genre-Heiligenbild durch eine superzappelige Dringlichkeit auf. »Und jetzt noch ein Packerl Uppers und dann die Gitarre in den Verstärker rammen, o.k. Mama?« Ought nehmen die freie Form von Can, den Habitus der Velvets und den Drang von Sonic Youth und zeigen damit schließlich doch breitere Vielfalt als das erste Reinhören erahnen lässt. Und das Plattencover erinnert an Bon Jovi.