Mit dem Sturmkommando vom Set gejagt…

Der Spielfilm »Dallas Pashamende« von Robert Adrian Pejo erzählt die Geschichte einer Roma-Siedlung in der Müllkippe am Rande eines rumänischen Dorfes. Die Liebesgeschichte der beiden Hauptdarsteller Radu (Zsolt Bogdan) und Oana (Dorka Gryllus) wird für beide zur Frage nach ihrer Identität.

Der unter schwierigen Bedingungen fertig gestellte Film wurde zunächst in Rumänien begonnen. Nachdem die Roma-Frage ein großes Fragezeichen für die Aufnahme Rumäniens in die EU darstellt, wurde seitens der Regierung gegen den Film interveniert. Robert Adrian Pejo kann dafür schon Verständnis aufbringen: »Man hat ja in den letzten Jahren eigentlich von Rumänien nur über die Armut der Romas gehört.« Nachdem das Film-Team via Medien beschuldigt wurde eine Naturkatastrophe zu verursachen, 10 Fernsehteams, Helikopter und schließlich 80 Mann Sturmkommando das Set räumen ließen, wurde zunächst viel Kraft und Geld in den Sand gesetzt: »Nachdem es so viele Schwierigkeiten mit dem Film gegeben hat und in Rumänien eine halbe Million Euro durch das Drehverbot seitens der Regierung verloren gegangen ist, habe ich zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht daran gedacht aufzuhören. Schritt für Schritt weiter machen. Das ist es was ich von den Romas gelernt habe.«
Derzeit in österreichischen Kinos.

skug: Wie war die Resonanz auf Deinen Film während der Diagonale in Graz?
Pejo: Ich hatte die Befürchtung, dass nicht so viele den Film sehen werden, da sich das Ende des Films mit der Preisverleihung überschnitten hatte. Ich war angenehm überrascht, dass der Kinosaal voll war. Die Resonanz war sehr positiv, was mich natürlich freut. Es war nämlich nicht nur die Filmszene anwesend, sondern auch Publikum von außen. Auf der Berlinale war die zweite Vorstellung ausverkauft.

skug: Erinnerst Du Dich an ein Leben vor »Dallas Pashamende«?
Pejo: Ich komme ja eigentlich vom Autorenfilm. Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich Filme im Amateurbereich gemacht. Für mich war das Filmemachen immer ein sehr intimer Prozess – um mich mit meinen Gedanken und Problemen auseinanderzusetzen. Während der Dreharbeiten zu meinen Filmen »Rest in Peace« und »Lipstick« habe ich meine Frau kennen gelernt. Als ich mit ihr nach Amerika gegangen bin, habe ich lustigerweise hier ganz viele Angebote bekommen. Das war sehr wichtig für mich. Mein erstes Fernseh-Projekt war eine Folge der Krimi-Serie Tatort für Wien (»Nie wieder Oper«). Das spannende dabei war, dass ich ein neues Konzept für Österreich schaffen konnte. Dadurch kamen viele andere Angebote auch von Deutschland. Das war etwas schwieriger als in Österreich, da die Strukturen und Arbeitsweisen viel genauer und dadurch strenger sind. Das war aber mehr im Fernsehbereich.

skug: Wann ist die Idee zu »Dallas Pashamende« gekommen?
Pejo: Die Idee für Dallas Pashamende ist vor neun Jahren entstanden. Die Finanzierung gestaltete sich zunächst sehr schwierig. Ich hatte zunächst mit der Prisma-Film begonnen, die jedoch noch während der Finanzierungsphase Pleite gegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon erste Förderungen bekommen, die jedoch wieder zurückgezogen wurden. Dann kam die Allegro-Film ins Spiel, erneutes Antragstellen, MTM München. Die Basis der Finanzierung war eigentlich der Bayerische Rundfunk, sie waren sozusagen der Fels in der Brandung. Auch wenn es Probleme gab, standen sie voll hinter mir. Sie waren auch die ersten, die zugesagt haben.

skug: Dadurch kamen natürlich auch andere mit aufs Boot?
Pejo: Ja. Eine Förderung von einer halben Million ist sehr viel. Vor drei Jahren haben wir dann begonnen den Film wirklich vorzubereiten. Ich hab ein halbes bis dreiviertel Jahr gecastet und mir dabei ungefähr 1200 SchauspielerInnen angesehen. Die beiden Hauptdarsteller sind keine Romas, sondern rumänisch-ungarischer Abstammung. Ihre dunklen südländischen Züge haben im Film sehr gut funktioniert. Die Hauptdarstellerin Dorka Gryllus war eigentlich nicht die erste Besetzung, weil sie viel zu hübsch für diese Rolle ist. Mit Hilfe der Maske haben wir es geschafft sie etwas unattraktiver erscheinen zu lassen…

skug: Was interessiert Dich an dieser Welt so sehr, dass Du neun Jahre daran festgehalten hast?
Pejo: Das Zigeuner-Thema war für mich immer eine interessante Welt. Was mich dabei besonders fasziniert ist die Frage der Identität. Der Westen hat natürlich einen großen Einfluss – wie Fernsehshows Dallas beispielsweise oder weggeworfene Dinge wie Cola-Dosen. Dadurch dass ich als Kind von Rumänien nach Österreich weggegangen bin, ist das Wieder-Zurückkommen eine besondere Situation der Annäherung an eine frühere Welt.

skug: Kannst Du sagen, dass das das Hauptmotiv für Deinen Film ist?
Pejo: Ja. Dieses Zerrissensein zwischen zwei Welten interessiert mich. Dieser Film handelt ja nicht nur über Romas, sondern generell über die Armut. Wenn ich jetzt ein Philippino gewesen wäre, hätte ich genauso auf Smoky Mountain diesen Film machen können. Wie Menschen versuchen innerhalb dieser Umstände zu leben. Ich habe eigentlich ganz bewusst eine klassische Struktur gewählt – wie in einem Western. Der Held, der zurückkehrt und die Situation dort außer Rand und Band bringt und dadurch verändert.
Romas bewegen sich ja oft zwischen der Verarmung und Assimilation. Ein interessanter Punkt ist, dass eine Kultur ja erst dann als eine solche akzeptiert wird, wenn sie niedergeschrieben ist. Romas haben sich da nie einigen können. Sie haben es bisher nicht geschafft eine Basis aufzubauen. Es gibt ja Versuche der EU hier Förderungen anzusetzen. Man wird sehen.

skug: Was ist Dein persönliches Bild von Romas? Du hast ja als Kind in Rumänien gelebt. Welche Erinnerungen hast Du?
Pejo: Wir haben in der Nähe von einer Roma-Siedlung gelebt und mit Roma-Kinder gespielt, aber da waren immer diese mit Angst verbundenen Klischees präsent, dass Roma Kinder klauen, einbrechen. Das auch zum Teil stimmt. Das ist Teil ihrer Kultur, da der Bezug zu »unseren« Werten nicht da ist. Das kann aber auch sehr befreiend sein.

skug: Wird der Film auch in Rumänien gezeigt?
Pejo: Ja, klar. Der Film wird im Herbst in Bukarest anlaufen.

Dallas Pashamende (R: Robert Pejo, A 2005)
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