mewithoutYou

»[Untitled]«

Run for Cover

Nach ein paar – zumindest für diese Band – eher mittelmäßigen Alben, finden die Bible-Core-Helden von mewithoutYou aus Philadelphia, Pennsylvania, mit ihrem neuen »[Untitled]« Album wieder Anschluss an die Größe der frühen Veröffentlichungen »Catch for Us the Foxes« (2004) und »Brother, Sister« (2006). Bei mewithoutYou treffen der jüdische Hintergrund der Brüder Aaron und Michael Weiss auf christliche und muslimische Wurzeln anderer Mitglieder. Diese haben sich vor allem durch ihre straight-forwarden Post-Hardcore-Songs mit dem extrem energiegeladenen, ausdrucksstarken Gesang von Sänger Aaron Weiss ausgezeichnet, der in seinen Auftritten wirklich von Gott/Jesus besessen zu sein scheint. Von beinhartem Hardcore geht es in schöne Gitarrenmelodien und einen engelsgleichen Gesang voller Schönheit und Liebe, mit Texten, die – egal, worüber er jetzt genau singt – durch die religiöse Metaphorik vor Eindringlichkeit nur so platzt. Man spürt die Anspannung, wenn Weiss priestergleich seine Botschaften vorträgt. Auch wenn es ihm bloß um seine eigene Verbindung mit Gott geht, kommt man dennoch nicht umhin, ihn als »Botschafter« ernst zu nehmen und sich mittragen zu lassen. Liveauftritte der Band gehören deshalb zum Besten, was diese gottlose Welt zu bieten hat. Neben Gehirn und Herz zerfressenden Ohrwürmern, wie »Julia (or, ›Holy to the LORD‹ on the Bells of Horses)«, und ähnlich heftigen Songs zu Beginn des Albums, wie »Another Head for Hydra« mit der wuchtigen Line »Circling Sinai / Another forty years? / Have I made myself? / And myself clear? / Let’s watch the desert sky / Do silent shapes appear? / Have I made myself? / I any way myself?«, verkennen mewithoutYou auch in ihren späteren Alben nicht ruhigeren Indie-Rock. Das überaus groovige Schlagzeug von Richard Mazzotta mit der trockenen Snare gibt die Geschwindigkeit vor und unterstützt die Dynamik des elegischen Vortragsstils von Aaron Weiss, der es versteht, mit Pausen Wirkung zu erzielen, und weiß, wo er vollkommen verrückt zu spielen hat, bis kurz vor Stimmbandriss, ohne je mit falschem Pathos zu kokettieren. Zum Beispiel in »[dormouse sighs]«, wenn Weiss sein »Before the day is done / My prince is gonna come« hinschmettert und Mazzotta mit Wucht im Takt der Snare einzelne Schläge verpasst. Zarter Frauengesang begleitet hier und da die so zerbrechliche Stimme von Weiss. Das ist alles schon so gut, und als kleines Gimmick erlauben sie sich die Anspielungen auf Leonard Cohen (»Everybody knows just what you’ve done«) und The Doors (»Break on through to the other side«). Als würden die Songs ihrer neueren Alben von der Band im Zustand der Veröffentlichung ihres Erstlings »[A→B] Life« (2002) gespielt werden. Also für manche ist Musik ja so etwas wie Religion und schlechte Alben oder Rezensionen bringen sie gerne mal auf die falsche Bahn. Wer den Glauben an mewithoutYou verloren hat, wird ihn hier aber definitiv wiederfinden. skug garantiert.