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Murcof

Martes

Leaf

Zwölfton on 45. Ekkehard Ehlers? Experimente, Schönberg in Schunkelschleifen zu verlegen, machen sich im Vergleich wie ein blasnasiger Scherz. Was Fernando Corona, Citizen of Tijuana, hier aus den Granden des Serious Listening lockt, insbesondere aus der sakralen Avantgarde eines Arvo Pärt, Gorecky, wie auch ansatzweise Messiaen und Ligeti, ist schlicht und ergreifend sagenhaft. Klagend desolater Klavieranschlag. Hypermelancholische Streicherpizzicati. Davor, dazwischen, darunter wuchtiger, aber zurückhaltend eingesetzter Glitchtechno, abstraktester Clickhouse. Das mit dem absolut richtigsten Maß für Fläche und Dynamik, das man sich nur vorstellen kann. Dass der Mann als erstes nach Beerdigung seiner AvantRock-Geschichte mit Sonlos das Kronos Quartet remixte, ist Richtmaß für Qualität und Weltschmerzgehalt dieser grandiosen Klänge. Bis zum Anschlag ausgelebte, akustische Tristesse, die die Seele zerreißt. Komplett unverständlich, dass noch kein filmender Sozialpornograph das für seine Werke missbraucht hat, wie auch die großen portugiesischen Madredeus mit Murcof ihre restlos mißglückten Fado-Remixe hätten retten können. Absolutes Highlight des schon feinen AvantBeat-Arsenals der britischen Leaf-Labelbrüder. Wunderbar reinigende Trauerarbeit, mit oder ohne Schlitzadern essentiell.

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Text
Paul Poet

Veröffentlichung
28.01.2003

Schlagwörter


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