»White Riot« © Syd Shelton/Visit Films

Love music, hate racism!

»White Riot« gewährt einen einmaligen Einblick in die Geschichte von Rock Against Racism und zeigt die Kraft des Widerstands von »just ordinary people«. Erstmals in Österreich zu sehen am 10. September 2020 im Wiener Filmcasino.

In Zeiten von Corona hat man ja nicht allzu oft Gelegenheit, sich Live-Konzerte anzuschauen. Dank Poolinale kann man das immerhin im Kino tun, z. B. bei der Österreich-Premiere von »White Riot« am 10. September 2020 im Filmcasino und anschließend im regulären Programm von Filmcasino und Filmhaus. Freilich ist »White Riot« weit mehr als ein Musik- und Konzertfilm. Regisseurin Rubika Shah hat aus zum Teil unveröffentlichten Archivaufnahmen und persönlichen Interviews ein kraftvolles Porträt der 1976 gegründeten Initiative Rock Against Racism (kurz RAR) geschaffen, das deren Hintergründe und Geschichte stilecht in der Ästhetik des damit einhergehenden Fanzines mit viel Punk-Power zum Leben erweckt.

»White Riot« © Ray Stevenson/Visit Films

Rock Against Racism entstand Mitte der 1980er im Umfeld der Anti Nazi League und anderer Widerstandsgruppen, die sich dem stark zunehmenden Rassismus im UK entgegenstellten – insbesondere der britischen National Front, die sich aus der Arbeiterklasse speiste und gegen die vermeintliche Gefahr von Jobverlusten durch ausländische Arbeitskräfte, speziell PoC aus den ehemaligen britischen Kolonien, Wind machte. »Our job was to peel away the Union Jack to reveal the swastika«, erläutert Mitbegründer Red Saunders seine Beweggründe, mit RAR ein sicht- und hörbares Zeichen gegen Nationalismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu setzen, das nicht zuletzt aufgrund rassendiskriminierender Gesetzgebung, Racial Profiling und immer wieder auftretender Polizeiübergriffe, beispielsweise im Zuge von NF-Kundgebungen, dringend notwendig war. Black Lives Matter lässt grüßen.

»White Riot« © Syd Shelton/Visit Films

Ausgehend von London gewann Rock Against Racism schnell landesweit Zuspruch und etablierte sich als Veranstaltungsplattform mit dem Ziel, Schwarze und Weiße auf und vor der Bühne zusammenzubringen (»Black and white unite and fight!«). Die Aktivitäten von RAR gipfelten am 30. April 1978 in einem Demonstrationszug vom Trafalgar Square zum Victoria Park im Arbeiterbezirk East End, wo bei einem Open-Air-Festival u. a. The Clash, Steel Pulse und X-Ray Spex auftraten, allesamt auch auf dem Soundtrack von »White Riot« (benannt nach einem The-Clash-Titel) versammelt. Keine schlechte Leistung für eine Handvoll DIY-Veranstalter*innen, aber wie Red Saunders anmerkt: »We weren’t superheroes. We were just ordinary people. We were ordinary anti-racist citizens.« Die britische National Front erlitt bei den Wahlen 1979 eine herbe Niederlage. Aber der Kampf ist noch nicht vorbei.

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