Lokale Helden, literarische O-Töne

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Tex Rubinowitz, Gewinner des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2014, trifft am 15.10 auf den Posaunisten Bertl Mütter.

Der Große Tanker unter den Wiener Veranstaltungshäusern öffnet in der Saison 2014/15 seine Pforten für neue Publikumsschichten. Bewusst niederschwellig. Für den neuen Abonnementzyklus »Local Heroes« wird die Bestuhlung des Berio-Saals entfernt und das Konsumieren von Getränken im auch Neuer E-Musik gewidmeten Konzertraum ist ein Novum. Alle Beteiligten haben Wien zum Lebensmittelpunkt erkoren wie einst Ludwig Van Beethoven als Deutscher – natürlich keineswegs vergleichbar mit Ulf Lindemann. Als [dunkelbunt] wird der Hamburger Wahlwiener am 20. April 2015 mit The Secret Swing Society auftreten. Noch zugeneigter wird ein Subkulturgourmet dem im Pop, Schlager, HipHop und Noise wildernden Improv-Duo  Koenigleopold  (24. 2.), dem Gerechtigkeit einfordernden Aufbegehren der Playbackdolls, inspiriert von Varieté, Chanson, Schlager, Folk etc. (11. 12.) sein. Und den Auftakt besorgen die etablierten Sofa Surfers (4. 11.).
»Ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien«: dieser Slogan aus dem Eröffnungsjahr 1913 gilt auch 101 Jahre später und Literaturveranstaltungen haben ebenso Tradition. Karl Kraus, Thomas Mann, Elias Canetti oder Günter Grass haben im Konzerthaus gelesen und aktuell gesellt sich zu den beiden Abo-Zyklen »Musik und Dichtung« und »Literatur im Konzerthaus« die neue, ambitionierte Reihe »Originalton«.  Darin gehen im Berio-Saal Musik und Literatur eine performativere Liaison ein. Hoffnungsvolle Newcomer und Schriftstellergrößen treffen dabei auf einen Musiker aus Wien.
Auf Tex Rubinowitz (bekannt u. a. für seine Comics-Zeichnungen für den »Falter« oder »Der Standard«), den am 6. Juli in Klagenfurt gekürten Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2014, wartet am  15. 10. Bertl Mütter. Eine großartige Paarung, da der vielseitige Künstler Rubinowitz auch als Musiker agiert – sein aktuelles Mäuse-Album ist hier zu belauschen. Der Posaunist Bertl Mütter hat enorme Duo-Erfahrung und bereits mit H. C. Artmann, Ernst Jandl oder Franzobel musiziert.
Danach wird Maja Haderlap, die Bachmann-Preisgewinnerin 2011,  mit dem Saxphonisten Wolfgang Puschnig konfrontiert (26. 11.), während Christoph Ransmayrs Lesung vom Percussionisten Peter Rosmanith (26. 1.) untermalt wird. Schlussendlich liest Margriet de Moor und die Sängerin Johanna von der Deken sowie die Pianistin Gaiva Bandzinaite streuen mit Liedern aus dem 20. und 21. Jahrhundert die Zwischentöne (15. 3.).