Lena Hessels

»Billow«

Terp

Der Titel »Billow« deutet es an: eine wogende Masse, vielleicht aus Wolken, Rauch oder Dampf. Auf Lena Hessels’ kurzem, aber wunderschönem Debüt und in den einfach gehaltenen, doch mitunter assoziativen Lyrics ist vieles davon zu finden: Traumartige, verschwimmende Erinnerungen, Enttäuschung, Wut und negative Gefühle, die sich am Ende doch wieder aufzulösen scheinen. Man lässt sich mitreißen von Hessels’ düsterem, expressivem Spiel. »Seven«: Tuschelig flüsternder Gesang, wie man ihn vielleicht von Kim Gordon kennt, begleitet von ihrem so schönen, hypnotisierenden Gitarrenspiel: »If this is seven / Than this is my mind / Seven«. Wird der Refrain dann noch mit todtraurigem Violin-Sound aus der Orgel untermalt, kann man nicht anders, als begeistert und gerührt sein. Denn die junge Hessels versteht es bereits bestens, ihre von Künstler*innen zwischen Punk und Weltmusik, die bei ihr zu Hause ein- und ausgingen (sie ist Tochter von Terrie Hessels, The-Ex-Mitbegründer, und der hat ja viel durch die Weltgeschichte kollaboriert) beeinflussten Ideen überzeugend und selbstbewusst zu verarbeiten. Und sie spielt alles selbst. Es ist ihr vielfacettiger Gesang, der sich hier wunderbar bissig mit den ultracoolen Gitarrenriffs trifft und sich dann im nächsten Song, »Go«, einem halligen Klavierstück, von einer völlig anderen Seite zeigt und an die bittersüßen, gefühligen Abgründe von PJ Harveys »White Chalk« denken lässt. Es ist toll, dass Lena Hessels sich in ihrem Debüt auf kurze, beeindruckende 21 Minuten beschränkt, die zeigen, was sie kann, und einen Eindruck von dem geben, was sicher noch folgen wird. Es ist gleichzeitig aber auch blöd, dass sie sich auf nur 21 Minuten beschränkt. Das Cover-Foto ist übrigens von Ken Vandermark.

Link: http://www.terprecords.nl/os33.html