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La Passe: F

Der 6. Buchstabe und die Wissenschaft. Dem populären Schimpfwort Fuck konnte die Sprachfor­schung noch auf keine etymologische Spur kommen. (John Le Fucker muss auf jeden Fall ein sehr bedeutender Wicht im 13. Jahrhundert gewesen sein).

Im skugschen Universum erwähnenswert ist das popu­läre F-Wort in Zusammenhang mit Larry Flynts proto­kollierter Aussage »Fuck this court!«. Weiters mit den Fugs (die Beat-Revoluzzer wurden zu ihrem Namen von Norman Mailer inspiriert, der wiederum von seinem Lek­tor gebeten wurde die vielen Fucks in seinem Buch »The Naked and the Dead« auf Fug umzuschreiben), mit MC5 (»Kick out the Jams, motherfuckers!« wurde ursprüng­lich auf »Brothers And Sisters« zensuriert) oder Lennons »Working Class Hero« (hier »übersah« das konservative Kontrollorgan die Zeile »You’re still fucking peasants äs far äs l can see«). Die absolute Zensurkeule wird in der Popwelt von heute nicht mehr geschwungen, sonst wä­ren Songs wie z.B. »Hey Fuck You« (Beastie Boys), »Nazi Punks Fuck Off« (Dead Kennedys), Fat Boy Slims »Fucking Heaven« oder das eher harmlose »Fuck You And Your Untouchable Face« (Ani Di Franco) wohl Beep-unterlegte – Instrumentals geworden. Also, what the F, eigentlich?

Faces, The (Small): Vorahnen des Punk. Neben The Who die wichtigste und einzige und eigentlich beste Mod-Band Englands. Chronische Unzufriedenheit setzte bei Small Faces-Sänger Steve Marriott nach dem über­raschenden Superhit »Lazy Sunday« ein (der Track war eine Scherz-Aufnahme), erzog für Humble Pie mit Peter Frampton von dannen und als Ersatz kam Rod Stewart. Nach »Oh La La« war dann offiziell Schluss. Hörenswerte Retro-Erkiärung für die Nachwelt: »Five Guys Walk into a Bar…«.

Fado: Molldurchtränkter Musikstil aus Portugal. Welt­ schmerz galore! Höre Amälia Rodrigues oder Mariza.

Faithfull, Marianne: Diva im Swinging London und Grazie im heutigen Songwriter-Oiymp. Aus ihrer Feder flie&szligen die Tränen!

Falco aka Hans Hölzl aka der Kommissar. Bassist bei Drahdiwaberi bis ihn die Vision des Sprechgesangs packte. Der Erfolg, der Grö&szligenwahn, die Exzentrik, die Drogen. Irgendwie erster Rapper Üsterreichs. Held bis heute. Nicht nur weil die Stiege zur Kettenbrückengasse nach ihm benannt ist und er das auffälligste Grab am ganzen Zentralfriedhof okkupiert.

Fall, The: Mark E. Smiths (aka älteste Punk-Qualle die­ses Planeten – siehe skug # 61) Vorzeige-Band des atypischen Wahnsinns. Insgesamt zählt The Fall in 28 Band-Jahren rund 49 Band-Mitglieder.

Fallus: Opfer der neuen Rechtschreibung.

»Family, The«: Von Ed Sanders (siehe auch The Fugs) verfasstes 500-Seiten Werk über Charles Manson und seine Sekte, die 1969 mit einer Reihe von grauenvollen Morden u.a. an Sharon Tate und ihrem ungeborenen Kind das Ende des Hippie-Zeitrechnung einläutete. Und dem bis heute inhaftierten Charles Manson zu skurriler Starkult-Verehrung verhelfen hat. Im Kapitel gescheiterter Künstler kann Charles Manson (veröffentlichte u.a. zwei Gefängnis-Alben) neben Adolf Hitler eingereiht werden.

Fan, der/die: Vorstufe zum Groupie. Führt entwe­der zu ungesundem Realitätsverlust durch manische Musik(er)verherrlichung oder zur zukunftsträchtigen Le­bensplanung (siehe Fanzine).

Fantômas: SuperThief! Master Lover! Schurkenfigur ei­ner französischen Kriminalroman-Serie, die in den 70ern mit Jean Marais und Louis de Fünes verfilmt wurde. Gleichnamige Band rund um Tausendkracher und Stimm­bändiger Mike Patton.

Fanzine: Idealistische Vorstufe zum Magazin, Journal, Zeitschrift.

Fatima Spar& The Freedom Fries: Vorbildliches Stil-Mafiosi-Orchester mit Mitgliedern aus der Türkei, Üsterreich, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien und der Ukraine. Ziehen die muitikulturellen Wurzelfäden ihrer Generation zusammen und sind als Live-Band in hochkulturellem World-Music-Rahmen genauso zu Hause wie in Dancefloor-Clubszenen.

»Fear and Loathing in Las Vegsa«: »We can’t stop here. This is bat country!!!« Hunter S. Thompsons grenz­geniales Gonzo-Werk über den etwas anderen American Dream.

Feelies, The: Als autark funktionierende Kultband der 80er Jahre war es die richtige Entscheidung sich in An­lehnung an Aldous Huxleys Blaupausen-Roman der Zu­kunft zu benennen. Wie bei jeder guten Musik: intensive Wirkungsspanne im Untergrund. (Bedeutet heute langes Warten auf Rereleases.) Eine Band, die sich Spätgebore­ne mit runtergeklappter Kinnlade anhören. »Waaas? Und mit R.E.M. haben die auch?« Wenn Franz Ferdinand sich bei Feelies‘ »Crazy Rhythms« nicht etwas abgehört ha­ben, hei&szlig ich ab heute Sissi.


Fehlfarben:
Düsseldorfer Ur-Punks. Aus dem musika­lischen Pausen-Nirvana (nicht zu verwechseln mit einer Fixanstellung bei Xerox) mit »Knietief im Dispo« in unsere herrliche Platten-Mitte zurückgekrochen. Sieh nie nach vorn!

Feist, Leslie: Wenn alle 13-Jährigen zum Geburtstag ein Vierspur-Aufnahme-Gerät bekommen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Peaches-WG-Kollegin, Gonzales und Broken Social Scene-Gastsängerin. Mit ihrem Debütalbum »Let it Die« lehnt sie sich weit aus dem See­lenfenster.

Fela/Femi Kuti: Der Vater des Afrobeat. Veröffentlich­te mit »Zombi« das Anti-Regierungs-Album schlechthin, woraufhin seine ausgerufene Kommune »Kalakuta Republic« vom nigerianischen Militär gestürmt und zerstört wurde. Fela Kuti starb 1997 an den Folgen von Aids. Ins­gesamt war er mit 27 Frauen verheiratet. Sohn aus erster Ehe: Femi Kuti.

Female Pressure: Plattform, Datenbank und Veran­staltungsprogramm. Von DJ Electric Indigo ins Leben gerufen, um der wachsenden Kommunikations-Kluft im Netzwerk der weiblichen DJs, VJs und Musikproduzentin-nen nach und nach entgegenzusteuern. Vorzeigbarer Nebeneffekt: die Aufmerksamkeit auf die florierende Szene der weiblichen Musikerinnen im elektronischen Sektor zu lenken. You never walk alone! www.femalepressure.net

Festival, das: Unglaublich inflationär gewordenes Som-mer-Event-Format. Spielwiese für Jungveranstalter und Woodstock-Träumer. Unterscheide zwischen vorprogram­mierter Beliebigkeit und sinnvoll zusammenführenden Gedankenfäden! Festival-Formate wie Roskilde in Däne­mark (100% durch Freiwillige aus dem Ort organisiert!) oder All Tomorrow ’s Parties/ Meit Down in England (Bands kuratieren!) suchen in Üsterreich noch ihresglei­chen. Seit Beginn des 00-Jahres sind 12 Menschen bei Festivals ums Leben gekommen. Top3-Festivalkrankheiten: 3. Grippe, 2.Sinnesverlust durch Alkohol, 1. Tinnitus.

Fiber: Material, das; Zeitschrift, DIE: zweimal im Jahr erscheinendes Magazin – pardon »Werkstoff für Femi­nismus und Popkultur«. Aus der Reihe der unabhängigen Zeitschriften rund um popkulturelle Belange gehört fiber seit 2002 zu den glaubwürdigsten Papierprodukten in österreichs Medienlandschaft. Pro Ausgabe wird ein Ideen-Thema im Queer-Diskurs offengelegt und greifbar seziert (»Wut und Aggression« z.B.). Kräftiges Mitwirken, Mitorganisieren und Vernetzen durch die fibrig-Frauschaft in (internationalen) Ladyfest-Angelegenheiten. Support: www.fibrig.net

Fisters of Mercy: Band Needed!

Fitzcarraldo: »l’m not going down here/ This journey isn’t over/ It’s a lang way to the house of Fitzcarraldo«. Zeilen aus gleichnamigem Stück der irischen Band The Frames  (siehe Fan). Inspiriert vom Werner Herzog-Film (1982), in dem Brian Sweeney Fitzgerald (gespielt von Klaus Kinski) ein Opernhaus im peruanischen Dschungel aufbauen will und dafür ein monströses Schiff über einen Hügel »tragen« muss. Herzog wurde zu diesem Filmpro­jekt durch das Teatro Amazonas in Manaus Brasilien in­spiriert, für dessen Bau (1896) jeder einzelne Ziegelstein nach Brasilien geschifft wurde. (2005 bespielten z.B. die White Stripes dieses Opernhaus) Fitzcarraldos Plan ist in­terpretierbar als Symbol für den fantastischen Kampf des Widerstandes (und Verstandes). Siehe auch die Herzog-Doku über die Dreharbeiten: »Mein liebster Feind«.

Flaming Lips: Fearless Freaks! Rock-Band aus Okla­homa. Bekannt für ihre lebendigen Liveshows inklusive gigantischer Tier-Kostüme, Kunstblut und Konfetti-Regen. Psychedelische Ansätze flie&szligen aus der Musik in obskure Songtitel wie »Approaching Pavonis Mons By Balloon«.

Fler: »Schwer erziehbar« und schwer ertragbar. Fler ist ein weiterer Protagonist der anderen »Neuen Deutschen Welle« aus dem »Aggro Berlin«-Umfeld. Verwechselt na­tionalistische Zeichen & Sprach-Symbolik mit US-Battle-Rap-Kultur. Schämt sich seiner eigenen Dummheit nicht.

Flying Luttenbachers: Gods of Chaos. Mathemati­scher Instrumental-Punk Jazz aus Chicago.

Flynt, Larry sagt »All l’m guilty of is bad taste.« Her­ausgeber des Porno-Magazins Hustler und oft gesehener Gast in Gerichtsgebäuden (u.a. mit einer US-Flagge als Windelhose gewickelt) beim Kampf für sein Recht auf freie Meinungsäu&szligerung. »What is more obscene: Sex or War?« Seine Homepage www.larryflynt.com dient als informelles Sammelbecken gegen die US-Regierung. Der Demokrat Flynt kandidierte 2003 für den Sitz des Gouverneurs in Kalifornien und verlor am 7. Platz gegen Arnold Schwarzenegger.

FM Einheit aka Frank Martin Strauss. Schlagzeug-Meis­ter bei Abwärts, Palais Schaumburg und bis 1996 bei den Einstürzenden Neubauten u.a. hinter den Metallroh­ren am Werken. Bewegt sich vermehrt im Theaterbereich und auch in frickelnde Richtungen. Z.B. Kollaboration mit den finnischen Elektronik-Minimalisten Pan Sonic.

FM: steht in der naturwissenschaftlichen Abkürzung für das schwerste chemische Element Fermium und wurde bei Wasserstoffbomben-Experimenten entdeckt. Da wä­ren wir auch schon beim Radio.

FM4: Don’t be afraid, honey. Kein Grund zur Sorge. Formatradiosender und vierter Grundstein des öster­reichischen Rundfunks im Sinne des Bildungsauftrages. Aus dem subkulturellen Ansatz des Goldesels  Ü3 ent­wachsen. Urheber marketingtechnischer Absurditäten wie »FM4-Musik«. Siehe skug # 62. Lese »Mainstream der Minderheiten« (Holert/Terkessidis). Warte auf Z wie »Zündfunk«.

Folkways Records:  Amerikanisches Label, das seit 1948 bis heute rund 3000 Alben veröffentlichte, u.a. das essenziellste aller Musikwurzel-erforschenden Werke: »The Anthology of American Folk Music« (R.I.P. Harry Smith!).

Franklin, Aretha: R-E-S-P-E-C-T! Fragen?

Freiräume: Offene Veranstaltungs-Orte, an denen die Sub-Kultur brodelt, bis entweder die Bürokratie-Hunde geweckt werden oder der Rubel anfängt zu rollen. Siehe skug-Serie ab Vol. 62.

Frickeln: Mode-Wort, um digitale Reibemomente in elektronischer Musik zu erklären. Frickeln für Anfänger: Drehe am Radio-Rädchen und finde keine Frequenz. Fri­ckeln für fortgeschrittene Expertenkreise: B. Fleischmann und Christian Fennesz. Prickeln in Frankreich: Höre F-Communication.

Fripp, Robert: Emanzipierte zuerst bei King Crimson (»21 Century Schizoid Man«) sowie später mit Brian Eno (»No More Pussyfooting«) die Gitarre von einem elektrisch verstärktem Instrument hin zu einem elektroni­schen Tool. Kurz: Neudefinition der Stromgitarre aus dem Geiste sich qua Tonbandschleifen selbstspielend weiter­generierender mannigfaltiger Loop-Musik. Fachausdruck: Frippertronics.

F.S.K (Freiwillige Selbstkontrolle):  Wurden bei ihrem ersten Auftritt 1980 in München mit Bierflaschen und Holzstücken (!) beworfen und haben seitdem nicht nur unser Hirnschmalz immer wieder in neue Richtungen flie&szligen lassen. Was sogar soweit führte, dass u.a. Didi Neidhart von einer früheren skug-Redaktion mit einem »FSK-Schreib- und Zitierverbot« belegt wurde. Was jedoch ebenso wenig fruchtete, wie alle Versuche, F.S.K. einem Genre zuzuordnen.

Fuckhead: Body Music Language from outta Linz. Die Schwanzsocke der Red Hot Chilli Peppers verhält sich im Vergleich zu Fuckheads Bühnen-Kostümierungen wie eine laminierte Bleistiftzeichnung zum 3D-Bild. Industrial-Schmerzen flie&szligen wortwörtlich durch diese Musik. Warte auf W wie Wipeout. Und auf die angekündigte Fuckhead-Live-DVD (Herbst 2005).

Fugazi: »Fucked Up, Got Ambushed, Zipped In« bedeu­tet die militärische Abkürzung, hinter der sich die Post-Hardrock-Pioniere aus Washington verstecken. Obwohl sich jemand wie lan MacKaye als lebende DIY-Legende schlecht verstecken darf. Scheibe ab!

Fugs, The: DIE Revolutions-Band aus dem Scho&szlig der Beat Generation. Von Ed Sanders (siehe »The Family«) und Tuli Kupferberg (u.a. Autor von »The War Against the Beats«) 1965 in New York gegründet. Unangepasste an den Verstärker angeschlossene Friedenstauben. Unver­gessen mitunter: Musik-Aktionen wie Teufelsaustreibun­gen vor dem Pentagon. Ed Sanders begann in den späten 80ern Gedichte über Jim Morrison zu verfassen, experi­mentierte mit Instrumenten-Kunde (The Walking Tie, u.a. zu hören auf »Refuse To Be Burnt-Out«) und – zog nach Woodstock, Kupferberg, nun 83 Jahre alt, veröffentlichte u.a. das Comic-Buch »Teach Yourself Fucking«. Der F-Kreis wird nicht verlassen.

Fuji: Dance Hall Musikstil aus Lagos. Eine Show vom »Botschafter des Fuji« Adewale Ayuba dauert mitunter bis zu 7 Stunden.

Fünfzehn: ein frivoles Geburtstagsalter.

Ff: Fortsetzung folgt…

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Text
Susi Ondrusova

Veröffentlichung
29.08.2011

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