Eingang zum Dom im Berg beim Elevate 2018 © David Višnjić

Kritischer Kontrast zwischen Diskurs und Hedonie

Kaltes Wetter – unsichere Zeiten. Diese Dualität passt gut zum Grazer Elevate Festival (28.2. – 4.3.2018) und zum Festivalmotto »Mut zum Risiko«, das in Sachen Sound nicht genügend stark präsent ist.

Das Kältetief hat Graz am verlängerten Elevate-Wochenende fest im Griff. Eisige Temperaturen jenseits des Gefrierpunkts bieten eine spürbare Anlehnung an die derzeitige Weltlage – nationale und internationale Krisenherde, das Unbehagen gegenüber politischen Entwicklungen sowie soziale Ungerechtigkeiten. Allesamt Gründe, sich mehr als nur eine dicke Schicht zuzulegen. Dabei ist die Anerkennung dieser Probleme alleine zu wenig. Eine ausgemachte Entschlossenheit, sich entschieden gegen autoritäre Repressionen zu stellen, verlangt Mut und die Bereitschaft zum Risiko. Nicht ohne Grund steht das Elevate in diesem Jahr im Zeichen eben jener ergänzenden Dualität. Risiko und Courage gelten als thematischer Überbegriff für fünf Tage, die sich anschicken, zahlreiche gesellschaftspolitische Anliegen aufzugreifen. Gleichzeitig wird der Anspruch erhoben, ebenso viele Antworten zu geben und das Publikum nebst genügend Stoff zum Nachdenken mit einem ausgelassenen Musikprogramm zu versorgen.

Musikalische Grandezza
Nachdem das Festival am Donnerstag mit einem sichtlich resignierenden – und zurecht umstrittenen – Julian Assange per Live-Zuschaltung seine Eröffnung feiert, bietet der Freitag just einige musikalische Grandiositäten. Die klerikalen Räumlichkeiten des Mausoleums, voluminös ausgefüllt mit einer stechenden Weihrauchwolke, fungieren jedenfalls als treffliches Szenario, um einmal mehr Buße zu tun – oder in Gedanken verloren der Kälte zu trotzen. Die beiden Grazer Gerd Schmidtauer und Paul Wolff, beide zusammen unter den Namen Stereoist vereint, lassen sich – Gott sei Dank – zu Letzterem hinreißen. Mit wabernden, langsam schleichenden Flächen und immer wieder auflebenden Bässen breitet sich im gut besuchten Schiff des Mausoleums eine wohlige Behaglichkeit aus. Wärmer will es derweil trotzdem nicht werden. Glühwein wird ausgeschenkt, feenhaft steigt Nebel auf, während die Deckenfresken im Tanz der Lichtkegel zum Leben erweckt werden.

Offenbar gut aufgewärmt hat sich inzwischen Mario Batkovic – zumal seine Finger nicht unwesentlichen Anteil an seinem Schaffen haben. Zwischen flackernden Lichtsäulen sitzend, das Akkordeon riesig vor den Bauch gespannt, zündet er inmitten des Hauptschiffs ein Feuerwerk an handgezogenen Harmonien. Mit schmerzverzerrtem Gesicht entlockte er dem Instrument – wie auch schon auf seinem großartigen, im letzten Jahr erschienen Soloalbum – Klänge, die so noch nicht gehört wurden und den Klischees von Anfang an entsagen sollen. Ungemein kraftvoll, an manchen Stellen durchdringend brachial, dann wieder zaghaft und langsam wie das Geleit zur letzten Prozession. Batkovic kaschiert nichts, das Akkordeon darf bei ihm hörbar atmen. Es klickert und klackert, während die Luft kratzend durch die Ventile strömt. Seine Kompositionen erinnern an die dringliche Dramaturgie von Vivaldi, öfter noch an epochale Filmuntermalung eines John Williams – und am Ende auch an veritable Magenverstimmungen. Das überzeugt und sorgt gleichzeitig für das erste musikalische Highlight des noch jungen Festivals.

Mario Batkovic bei Minusgraden im Mausoleum © Johanna Lamprecht

Intime Dunkelheit
Drüben, ein paar Schritte entfernt, im Keller des Forums Stadtpark, geht zwischenzeitlich das Licht aus. Der australische Percussionist und Drummer Will Guthrie gibt im Zuge der Dunkelkammer-Reihe ein vielerwartetes Solokonzert. Intimität im erlesenen Kreis, zumal die Türen für die Fortdauer des Konzerts von innen verschlossen werden. Wer drinnen ist, kann sich glücklich schätzen, kommt man doch in den seltenen Genuss von Guthries langjähriger Erfahrung als hochkonzentriert werkelnder, sich zeitweise ins Nirvana trommelnder und dort nach der Transzendenz des Seins suchender Percussionist, der neben Bandprojekten in seiner Wahlheimat Frankreich erst letztes Jahr eine Soloplatte auf Oren Ambarchis Label Black Truffle Records veröffentlichte. »People Pleaser« nennt er das Album – in vollkommener Dunkelheit erschließt sich dieser Titel zugegebenermaßen noch ein wenig besser. Was leise beginnt, führt über komplex aneinandergereihte Rhythmen in die akustische Ekstase. Der Gongschlag zum Abschluss und die vielleicht zu selten gestellte Frage, wieso solche Konzerte nicht öfter im Darkroom stattfinden dürfen.

Schnell rüber ins runderneuerte, seit 1. März übrigens rauchfreie Parkhaus. Das Bier schmeckt, die Leute sind gut drauf, im Hintergrund läuft Kraftwerk und während sich draußen bei zweistelligen Minusgraden herzlich gegen die Regierung agitieren lässt, vergisst man fast auf den letzten Act des Tages im Forum. Dort testet nämlich Rashad Becker, bekannt als Mastering-Guru der internationalen Elektronikszene, ein neuartiges Lautsprechersystem, das von sonible und dem Institut für Elektronik und Akustik in Graz entwickelt wurde. IKO heißt das mit 20 Membranen bestückte Gerät, das, wie ein Fremdkörper in der Mitte des Raumes platziert, unweigerlich an den Monolithen aus Kubricks »Space Odyssee« erinnert. Die Performance ist ansonsten offensichtlich darauf bedacht, sich auf das akustische Konzept zu beziehen. Kaskaden an verstörenden Samples sprudeln da in allen Himmelsrichtungen aus dem schwarzen Geschöpf, wandern wild im Raum herum und lassen mich nicht nur einmal ungläubig an meiner Sinneswahrnehmung zweifeln.

Von der Musik zum Journalismus und zurück
Die Diskursplattform des Festivals, seit jeher ein wichtiger Bestandteil in Graz, kann auch heuer mit einem breiten, international angelegten Programm aufwarten. Freitagabend wird im Forum des Stadtparks über die zunehmende Verunmöglichung von investigativem Journalismus diskutiert. Neben der zugeschalteten »taz«-Mitbegründerin Gaby Weber sitzen unter anderem »Dossier«-Redakteurin Julia Herrnböck, Fotojournalistin Kate Brooks und NDR-Korrespondent John Goetz im von Courage-Foundation-Gründerin Sarah Harrison moderierten Plenum. Konkrete Lösungsansätze auf die Frage, wie sich in Zukunft noch investigativ recherchieren lässt, ohne dabei vor dem kommerziellen Ausverkauf im Internet in die Knie zu gehen, gibt es zwar keine. Gut aber, dass darüber geredet wird. Zumal die Utopie von heute vielleicht schon morgen banale Realität sein kann.

Im Orpheum eröffnet derweil das als Schallfeld Ensemble bekannt gewordene KünstlerInnenkollektiv aus Graz den Abend. Ähnlich wie die überschäumende Kakophonie einer Chaos-Oper à la Herbert Fritsch, entsteht über die Dauer einer knappen Stunde eine dissonante Zweckentfremdung der Klänge, ein bühnenfüllendes, durchaus schwer zu fassendes aber großartig ineinander überlaufendes Geschrammel und Getute, niemals fad und passenderweise visuell von Vedran Kolac (Onoxo) begleitet. Der kroatische Medienkünstler projiziert in Echtzeit zerrissene Fäden und rotierende Kegel an die Leinwand. Das wirkt in Kombination mit den Lautfolgen des neunköpfigen Ensembles ziemlich mitreißend. Schade eigentlich nur, dass dieses Spektakel viel zu wenige ZuschauerInnen miterleben. Auch bei der anschließenden, einmal mehr furiosen Darbietung von Mia Zabelka, die bildtechnisch von der ebenso großartigen Tina Frank begleitet wird, füllt sich das ehemalige Varietétheater nur langsam. Wer Zabelka allerdings dabei zuhört, welche Klangerscheinungen sie ihrer Violine zu entlocken weiß, geht zwangsläufig durch ein Wechselbad der Gefühle. Zwischen dem atmosphärisch eher auf der düster-dunklen Seite verorteten Vorhof zur Hölle und der klanglichen Übersteigung in überschwänglich mentale Zustände der absoluten Befreiung ist jedenfalls wenig Platz für Redundanz – immer in Bewegung, immer im Fluss. Ergänzt wird das Ganze durch gewohnt farbenprächtige Visuals von Frank, die wie animierte Malereien von Anoka Faruqee ein breites Spektrum eröffnen, allerdings unter der fallweise recht störenden Bühnenbeleuchtung und dem völlig unnötigen Einqualmen der Bühne leiden.

Mia Zabelka und Tina Frank im Orpheum © Clara Wildberger

Fennesz vs. Frost
In der Pause strömen dann zunehmend mehr Menschen in den Saal. Ein Grund dafür mag der Auftritt des österreichischen Ambient-Granden Christian Fennesz sein. Dieser lebt seit nunmehr 17 Jahren seinen endlosen Sommer und kochte für die brav Angepilgerten ein üppiges Süppchen aus sattsam bekanntem Gitarrenambient, der in den trockenen Räumlichkeiten des Orpheums aber nicht so wirklich funktionieren will. Wie passend und brillant es doch gewesen wäre, diese orchestrale Wucht im architektonisch wie klanglich viel interessanteren Mausoleum mitzuerleben. Stattdessen aber ausgewogener Dienst nach Anweisung, überzeichnet mit der videokünstlerischen Arbeit von Ex-Rechenzentrum-VJ Lillevän Pobjoy – eine sich überlagernde, multidimensional mäandernde, an die vier Elemente angelegte Performance. Das hat bekanntlich auch schon in der Vergangenheit funktioniert. Schön anzuschauen ist es allemal.

Alles andere als uninteressant mitanzusehen war natürlich auch der in Österreich bisher nicht unbekannt gebliebene Ambient-Noise-Punk Ben Frost. In ohrenbetäubender Lautstärke brummt und quietscht und zischt es aus den hochragenden Verstärkertürmen, während stampfendes Beben das halbverdaute Abendessen nochmal neu aufkocht. Krach, Bumm, Lechz. Dem Hörvermögen wird damit wohl kein Gefallen getan. Die langjährige Zusammenarbeit mit Medienkünstler Marcel Weber (MFO) bringt darüber hinaus die eindrucksvolle Spiegelfolien-Bühnenshow nach Graz. In sphärisches Blau getaucht wirkt das abwechselnd anmutig wie tänzelnde Nordlichter und das Schimmern der Wasseroberfläche.

Sich abzeichnende Doppelmoral im Programm
Halbzeit beim Elevate und Zeit für eine erste Zwischenbilanz hinsichtlich des Musik-Line-ups: Was sich zuvor schon mit einem Blick auf das Festivalposter abgezeichnet hat, wird nämlich leider bestätigt. Das Elevate hat einen verschwindend geringen Anteil an Frauen hinter den Reglern, an der Gitarre oder sonstigen klangerzeugenden Gerätschaften – zumindest wenn es um die vermeintlich besten Slots am Festival geht. Natürlich ist es super, wenn Ben Frost am Festival spielt. Für manche ist es bestimmt auch toll, dass DJ Koze swingend durch den Nachmittag führt oder DJ Taye im Tunnel sein Footwork-sprengendes Album präsentiert. In Hinsicht auf ein ausgewogenes Line-up ist das aber einfach nicht genug. Während drüben im Forum über das Frauenvolksbegehren, die Frauenquote und Gleichberechtigung in der Gesellschaft diskutiert wird, fällt das Musikprogramm mitunter vollkommen aus der Reihe. Ein Blick nach Wien oder Krems würde genügen, dort funktioniert das bereits ziemlich gut. Das Festivalmotto »Mut zum Risiko« hätte sich gut und gerne auch bis in die Musikschiene durchziehen dürfen. Weniger Altbewährtes, mehr Experimentelles und die Top-Slots rigoros divers gestalten – dann muss man sich auch keine Doppelmoral mehr andichten lassen.

Die festivaleigene Clubbing-Schiene am Samstagnachmittag findet wegen des anhaltenden Kältetiefs zum gesundheitlichen Wohle aller im Orpheum statt. Dass Berghain-Resident Steffi guten Techno spielt und DJ – deine Reime sind Schweine – Koze nach knapp zwei Dekaden immer noch in der Pampa den Funk findet, ist an dieser Stelle wohl keine bahnbrechende Neuigkeit. Never change a running system – dem Publikum gefielʼs jedenfalls, das soll was heißen.

Kalt, kälter, Dungeon
Abends dann weiter in den Berg hinterm Dom. Die legendären Nurse With Wound – dem eisigen Flugchaos geschuldet tragischerweise ohne Galionsfigur Steven Stapleton – spielen eines ihrer leider viel zu seltenen gewordenen Live-Sets im skug-gehosteten Dungeon. Gerade noch rechtzeitig über Graz abgeworfen wurden die übriggebliebenen Veteranen Colin Potter und Andrew Liles. Die beiden also alleine zu zweit, im vorangeschrittenen Alter und mit sichtlich nach hinten gewandertem Haaransatz über ihre Gerätschaften gebückt, die Abwesenheit von Stapleton scheint nicht wirklich aufzufallen. Das Schwein wird geschlachtet, der Irrsinn beginnt. Irgendwann packt Liles die E-Gitarre aus, was dann im anschwellenden Grollen zu einer zweimaligen Klimax führt und die Katakomben gehörig in Schwingung bringt.

Dieser schwer zu überbietende Wahnsinn ist übrigens Shilla Strelka zu verdanken, der es gelang, die Gruppe zum Elevate zu holen. Ebenfalls nicht gänzlich unbeteiligt dürfte sie an der Entscheidung gewesen sein, die Italienerin Caterina Barbieri am Festival auftreten zu lassen. Den eigentlich undankbaren Slot nach den kältedezimierten Nurse With Wound sprengt die Italienerin mit einer kolossalen Live-Performance ihres im letzten Jahr erschienen Albums »Patterns of Consciousness«. Wie eine gebündelte, nonstop ins 21. Jahrhundert gebeamte Weiterführungen des Schaffens von Steve Reich klingen die Stücke in manchen Momenten, in anderen wiederum wie die zum Leben erweckten Bleep-Kaskaden von Ryoji Ikeda. Die Strukturen zerfallen, bauen sich wieder auf, nur um schlussendlich bis zur eschatologischen Unkenntlichkeit zerstört zu werden.

Caterina Barbieri im skug Dungeon © Clara Wildberger

Andy Kings »System Error« & Flugausfälle
Wer sich zwischenzeitlich von der klirrenden Kälte im Verlies erholen will, muss das notgedrungen einen Stock tiefer tun. So sehr die Haut durch die anhaltenden Minustemperaturen im Dungeon auch gestrafft wurde, der Altersunterschied von oben nach unten kann dann doch nicht übersehen werden. Hipster schön und gut, warm muss es aber offensichtlich trotzdem sein. Den auf kuschelige Badetemperatur gebrachten Mainfloor im Dom bespielen neben Willow und Jackmaster später auch Errorsmith. Dabei hätte man beim steilen Aufstieg durch die Stollen gut daran getan, Ausschau nach dem »System Error« zu halten. So heißen nämlich die Auftragsarbeiten der britischen Medienkünstlerin Andy King, die dort hell erleuchtet zu sehen sind. King nahm dafür eigens Portraitfotos von WhistleblowerInnen auf, um sie digital und mit reichlich greller Farbe zu manipulieren. Wirkt verstörend und soll es vermutlich auch. Den Namen der Britin muss man sich jedenfalls merken.

Den Blutfluss in den Extremitäten wieder aktiviert, führt der Weg zurück nach oben. Umringt von gut und gerne zwei Dutzend wild leuchtenden Effektgeräten spielen dort Schtum, zwei Grazer Gitarristen, ein Live-Set, das zu später Stunde einen bestuhlten Saal verdient hätte. Langsam, schwebend, irgendwie toll. Aber den Temperaturen entsprechend nicht wirklich förderlich – glatt beneidet man den einen um seine Maronibrater-Handschuhe. Dann die Meldung, dass Mick Harris ebenfalls den europaweiten Flugausfällen zum Opfer gefallen ist, gestrandet irgendwo im Nirgendwo. Stattdessen also sein Visualist Stormfield, der ein straightes, den Bassregler weit nach rechts gedrehtes DJ-Set durch die nah an der Selbstauflösung kratzenden Lautsprecher prügelte. Von Wetter und Pech zwar verfolgt, ist das Aufgebot im Dungeon das musikalische Highlight an diesem Abend. Die Füße sind mittlerweile übrigens auch wieder aufgetaut.

Alles hat ein Ende
Nach langen Festivaltagen geht das Elevate am Sonntag schließlich seinem Ende zu. Im Orpheum, oben im ersten Stock, wird zuvor aber noch einmal zur musikalischen Triade geladen. Ana Threat, mit weiß-strahlender Tischdecke über dem Kopf, gibt eines ihrer hervorragend unkonventionellen Konzerte. Zuerst vom holperndem Drumcomputer am Schlagzeug unterstützt, später energisch aufopfernd, auf allen vieren an der E-Gitarre, kokettierte sie mit Rollenbildern und führte diese auf bestechende Art ad absurdum. Nebenbei dann auch noch die Hommage an Totally Wired Records. Nächstes Jahr bitte mehr davon!

Greg Fox, der New Yorker High-Speed Drummer, manchen vielleicht als rhythmisches Element der Black-Metal-Band Liturgy ein Begriff, demonstrierte im Anschluss sein Können am Kit. Interessant war das wie bereits tags zuvor bei Will Guthrie ohnehin – auch wenn die beiden zwei sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen. Fox nutzt nämlich seit seinem im letzten Jahr erschienen Album »The Gradual Progression« ein Sensory-Percussion-System, welches ihm ermöglicht, Klänge und Samples mit dem Schlag auf Trommel und Snare zu triggern. Das funktioniert in den meisten Fällen ekstatisch gut. Eine One-Man-Show. Schnell, kompromisslos, irgendwo zwischen Jazz-Fusion und Hardcore-Drumming.

Schließlich noch Jimi Tenor. Als Ersatz für den ausgefallenen John Maus und im lachsfarbenen Sakko angetreten, liefert er den Übriggebliebenen – und das sind ziemlich viele – den hedonistischen Ausklang eines mittlerweile fünf Tage andauernden Exzesses. Sekt zum Set, I’m living on the edge of explosion. Sein Live-Set wirkt ein wenig unbeholfen, aber so kennt man ihn – ohne genau sagen zu können, ob das noch gewollte Show oder bereits die Pastiche der heutigen Clubszene ist. »Take Me Baby« funktioniert – das ist die ambivalente Erkenntnis – nach über 20 Jahren jedenfalls noch immer und den Groove hat Tenor als Saxophon spielender Finne ohnehin schon immer gehabt.

Vasilis Tsartsinis Fluchträume im <rotor>
Das Elevate macht im 15. Jahr seines Bestehens vieles richtig. Ein breit angelegtes Diskursprogramm zieht über alle Tage verteilt unzählige Interessierte ins Forum Stadtpark. Dass die musikalische Schiene nicht immer mit den dort diskutierten Themen konform geht, mag sicherlich ein inhaltlicher Wermutstropfen sein. Überzeugen kann hingegen wiederum das umfangreiche Kunstprogramm. Eindrucksvoll beispielsweise die von Vasilis Tsartsinis initiierte Ausstellung »Small Rooms« im <rotor>, die sich aus nächster Nähe mit den Erfahrungen geflüchteter Menschen auseinandersetzt. Dieser kritische Kontrast zwischen Diskurs und Hedonie macht das Festival aus, dort sollte weiter angesetzt werden. Die Dynamik stimmt jedenfalls, im nächsten Jahr klappt es dann auch sicher wieder mit den Temperaturen.

Link: www.elevate.at

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