Poolbar Festival © Jana Sabo
Poolbar Festival © Jana Sabo

Komm, lass uns das Frisbee catchen

Zum 26. Mal findet diesen Sommer in Feldkirch das Poolbar Festival statt. Warum sich der Ausflug zum sympathischsten Festival des Landes lohnt und man auf eine Badehose verzichten darf.

Zwischen »g’hörig« und »leiwand« liegen gerade mal 600 Kilometer. So weit muss man von Wien in Richtung Osten tingeln, um zum Poolbar Festival nach Feldkirch zu kommen, das dort heuer von 5. Juli bis 11. August stattfindet. Im Ambiente der schnuckeligsten Festival-Location des Landes, dem Alten Hallenbad, dröseln sich die sprachlichen Barrieren aber ohnehin auf, weil man sich über sechs Wochen lang – ja, richtig gelesen – zwischen Performances und Jazzfrühstück durch das Dröhnen aus den Soundanlagen verständigt. Den längsten Festivalrausch kann man sich seit 26 Jahren in Vorarlberg holen. Den ästhetischen, natürlich. Schließlich ist man erwachsen geworden in Feldkirch. Die anstehende Quarterlife Crisis hat man gleich ganz übersprungen. Und während man auf anderen Festivals den kommerziellen Einheitsbrei mit fünf Paletten warmem Bier hinunterspülen muss, blubbert man im ausgelassenen Pool des Alten Hallenbads im popkulturellen Nischen-Biotop herum.

Poolbar Festival © Matthias Rhomberg

Das Poolbar Festival ist ein Barometer für den Luftdruck in der Indie-Luftmatratze des Landes. Am ersten Festivalwochenende treten mit My Ugly Clementine die Sprengmeisterinnen der FM4-Charts (Mira Lu Kovacs, Kathrin Kolleritsch, Barbara Jungreithmeier und Sophie Lindinger) auf und zeigen den Leoniden aus Kiel, wieso Kurt Cobain sein Erbe unter anderem in Österreich 2019 finden würde. Eine Woche später hat man die Bühne von drinnen hoffentlich schon nach draußen gekarrt. Schließlich lassen Bilderbuch (11. Juli) beim »Poolbar auf der Wiese« unter freiem Himmel ihr Frisbee kreisen, bevor sie es mit ein paar Kunstwürfen an das britischen Rockduo Blood Red Shoes und Newcomer wie die 21-jährige Alli Neumann und die österreichisch-isländischen Oehl weiterreichen. Als Meister der amerikanischen Roots-Musik stöpselt Blues-Exzentriker und Grammy-Preisträger Keb’ Mo seine Gitarre solo in den Verstärker (18. Juli). Zuvor darf Surferboy Xavier Rudd auf den Wellen im Publikum reiten und seine Influencer-taugliche Sandkastenmusik aus dem australischen Outback nach Feldkirch beamen.

Poolbar Festival © Matthias Dietrich

Wer Dan Auerbach von den Black Keys noch nicht vergessen hat, den nerdigen Jack White auch ganz geil findet und mit seinen Füßen am liebsten zu staubigen Wüstenbeats auf dem Boden herumscharrt, dürfte mit Mattiel seine Freude haben. Die teilt sich den Pool am 21. Juli mit – Überraschung – Anna F. Die ehemalige Amadeus-Award-Gewinnerin hat sich nach einem künstlerischen Sabbatical in London neu erfunden und tourt mit ihrer Band Friedberg. Außerdem: Die Lieblingsband von The-Cure-Hauptdepressivling Robert Smith, The Twilight Sad, bringt ihr neues Album nach Feldkirch. Und die seit einer halben Ewigkeit bestehenden Propagandhi crashen nächtliche Poolpartys mit Metal, der uns den Schmalz aus den Ohren pfeift. Übrigens: Der Preis für den besten Bandnamen am Poolbar Festival geht heuer an die Psychedelic Porn Crumpets, die so klingen, als hätten Tame Impala die falschen Pillen geschluckt.

Na, überzeugt? Dann plant schon mal den Pauschalurlaub nach Feldkirch zum Poolbar Festival. Das ganze Programm zwischen 5. Juli und 11. August 2019 findet ihr hier: www.poolbar.at

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Text
Christoph Benkeser

Veröffentlichung
17.05.2019

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