Kein Glück im Spiel

In seinem ersten abendfüllenden Spielfilm schickt der österreichische Regisseur Antonin Svoboda jämmerliche Spielernaturen auf eine Höllenfahrt. »Spiele Leben« läuft ab 20. Jänner in den Kinos.

Sozialstudien scheinen ein Dauerthema im heimischen Kino zu sein. Nach »Nordrand«, »Böse Zellen«, »Antares« und teilweise auch »Crash Test Dummies« entführt uns auch »Spiele Leben« in einen der Wiener Außenbezirke und in ein bildungsfernes Milieu, gerade so, als wäre einzig und allein hier der Stoff für einen zeitgenössischen Film zu holen. Hier haben wir es mit dem recht larmoyanten Dreißiger Kurt zu tun (etwas zu alt für diese Rolle: Georg Friedrich), einem spielsüchtigen Totalversager, dessen einzige Tätigkeit außerhalb von Spielzimmer und Casino darin besteht, Leute um Geld anzuschnorren, das er dringend braucht, um seine wachsenden Schulden zu bezahlen. Das lässt sich seine langweilige aber vernünftige Freundin Manu (recht überzeugend: Gerti Drassl), übrigens wieder einmal eine Krankenschwester, auf die Dauer nicht mehr gefallen und vollzieht schließlich die Trennung. Durch eine Zufallsbekanntschaft kommt Georg auf die weniger originelle als vielmehr kindisch-dümmliche Idee, von jetzt an alle Entscheidungen einem teuer gestalteten Spielwürfel zu überlassen. Daran hält er allerdings eisern fest. So übernimmt er eher widerwillig den Job eines Heizkostenablesers und lernt in einer eingerauchten WG die anscheinend drogensüchtige und sich äußerst vulgär gerierende Tanja (stilecht: Birgit Minichmayr) kennen, für die er so etwas wie sexuelles Interesse entwickelt. Gemeinsam mit Franz (Andreas Patton), einem von Kurts Leidensgenossen, der allerdings den Spagat zwischen der Sucht und einer geregelten bürgerlichen Existenz sehr souverän meistert, versuchen die beiden ihr Glück im benachbarten Ausland, nachdem Kurt in den Wiener Casinos Spielverbot bekommt. Von Franz wieder verlassen, bleiben dem fesch-armseligen Pärchen vorerst noch ein paar Tage fragwürdiges Liebesglück im Hotelzimmer, bis sie – wie erwartet – abermals scheitern.

Die Beschäftigung mit einem an sich nicht uninteressanten Thema scheitert hier an der Wahl der Charaktere. Die völlige intellektuelle wie emotionale Unzulänglichkeit der beiden Protagonisten, Kurts Infantilität und Tanjas geradezu primitives Gehabe werden dem Typus eines Gaunerduos in keinster Weise gerecht. Die Story ist den Figuren, die sie verkörpern sollen, entschieden eine Nummer zu groß. (Einzig interessant bleibt indes der trotz allem besonnene und immer noch zu Empfindungen fähige Franz.) Ein denkbar geringes Interesse des Zuschauers für Lebensstil und -inhalt solcher Existenzen kann die einzig logische Folge für den Film sein. Da nutzt der realistische Blick aufs Geschehen auch nichts – elegische Stadtlandschaften, authentische Szenen am Spieltisch oder auch die recht überzeugende Trennungsszene (Manu zu Kurt: » I muss jetzt arbeiten gehen. Mir reden dann daheim weiter«), ebenso wenig schauspielerische Glanzleistungen. Eine ordentliche Portion Esprit hätte der Film gebraucht, um das zu bieten, was sein Titel verspricht.