Kankyō Ongaku

»Japanese Ambient, Environmental & New Age Music 1980–1990«

Light In The Attic

Schni-Schna-Schnappatmung! Das Label Light In The Attic vertreibt ausgewählte Klassiker*innen wie Karen Dalton, Terry Reid, Lee Hazlewood und Betty Davis und hat zuletzt auch einige Japan-Acts ins Programm mit aufgenommen. Unter anderem Haruomi Hosono, der auch auf der feinen Kompilation »Kankyō Ongaku« (zu »Deutsch« so viel wie »Environment Music«) vom Portlander Oregonen Spencer Doran (Visible Cloaks, RV Paintings) vertreten ist. Spencer Doran, der selbst aus der Drone- und Ambient-Szene stammt, kennt sich offensichtlich bestens aus, denn die Namen hinter den 23 Stücken sind doch teilweise sehr tief ausgegraben. Nun kann es daran liegen, dass Doran sich schon länger mit der Geschichte der japanischen Musik beschäftigt: 2010 veröffentlichte er »Fairlights, Mallets and Bamboo: Fourth-World Japan, Years 1980–1986« – künstlerisch entdeckt man hier mit Hosono, Ryuichi Sakamoto und dem Yellow Magic Orchestra Überschneidungen, aber mit seiner neuen Sammlung vertieft er diese Kompilationsarbeit nochmal entscheidend. In der superschönen Vinyl-Edition (das Cover-Bild ziert ein Haus des Architekten Fumihiko Maki) gibt er sein Wissen deshalb im Text zu den einzelnen Künstler*innen zum Besten. Da sind neben den genannten Kapazundern noch Leute wie Joe Hisaishi und eher unbekannte Größen wie Satoshi Ashikawa, Hiroshi Yoshimura und Yoshio Ojima zu hören, die die Ambient-Musik, wie sie Brian Eno in den 1970ern entwickelte, nach Japan brachten und auf ihre Art weiterentwickelten. Das Ganze ist allerdings – da darf man sich nicht in die Irre führen lassen – sehr profund und sophisticated, die Künstler*innen zähl(t)en zur Avantgarde im Raum Tokyo. So entstanden zum Beispiel Werbesounds für Seiko oder einfach Musik für Einkaufsläden. Und so klingt diese Musik auch: Man kann sie sich sehr gut vorstellen als angenehmen Hintergrundsound, Relax-anregend, zum Dösen, Träumen. Doch träumen lässt es sich auch beim Winterspaziergang in Wien (es gibt auch andere Städte), wenn das schneeige Glitzern die ganze Umgebung verzaubert und das Plätschern der Sounds nicht mehr aus den Kopfhörern zu kommen scheint, sondern sich ganz natürlich einfügt. Es klingt so zeitlos und modern, wie das Gebäude auf dem Cover. »Ein Wahnsinn«.