Jede Stimme zählt

Bauchklang, unsere liebsten Stimmakrobaten und Beatboxer, verwenden für ihr aktuelles Album »Many People« weiterhin keine Instrumente mit Ausnahme des eigenen Körpers, insbesondere der Stimme. Wie mit dem ältesten Instrument der Menschheit elektronische Musik gemacht wird, wie die Form so manche Hörer auch vom Inhalt überzeugen kann und noch einiges mehr erklärt ein Drittel Bauchklang im skug-Interview.

Das Debüt-Album »Jamzero« kam 2001 heraus, was habt Ihr denn so in der Zwischenzeit getrieben?

Bauchklang: Wir waren viel auf Tournee und haben auch die Band etwas umstrukturiert. Desgleichen haben wir uns besonders auf die Perfektion der Sounds konzentriert. Wir haben stark an der »Harmonie«-Sektion gearbeit, um mehr Möglichkeiten für neue Nummern zu haben, auch viel herumexperimentiert, dass der Bass fetter kommt und die Snare zischt, die Beats frisch bleiben usw.

Was hat sich sonst noch getan, Ihr seid schließlich auf einem neuen Label – Klein rec. – und seid eine Kooperation mit einem Major eingegangen – Universal. Inwiefern beeinflusst das Eure Arbeit?

Unsere Arbeit hat es kaum beeinflusst. Früher waren’s halt kleinere Strukturen. Die Live-Auftritte stellten die Platte mit Sicherheit damals ein wenig in den Schatten. Jetzt sind mehr Leute daran interessiert, dass sich unsere CD verkauft. Das heißt, es gibt mehr Werbung und Support. Wir müssen mehr kommunizieren. Bei den Aufnahmen zur CD waren wir praktisch ungestört und hatten die Ruhe, die Tracks perfekt fertigzumachen.

Das hört man auch, man sitzt vor den Lautsprechern und kann wider besseren Wissens kaum glauben, dass der Sound nicht aus dem Computer kommt … Davon abgesehen: Hat es so etwas gegeben wie Probleme während des Aufnehmens, etwa weil für diese Sorte Acapella-Sound wenig Know How im Studio vorhanden war?

Da wir schon länger nur mit Stimmen im Studio arbeiten, wussten wir, was wichtig ist beim Aufnehmen von Beatbox, Stimmen usw. Wir hatten ja schon Erfahrungswerte von unserem letzten Album. Aber es dauerte schon wieder einige Zeit um herauszufinden, wie wir zu einem Gesamtsound kommen, mit dem wir selber zufrieden sind.

Als Ihr 2001 den ersten Erfolg gehabt habt, auch international, wurdet Ihr auch als Teil des »Vienna«-Groove-Hypes wahrgenommen. Jetzt sieht die Sache anders aus, die Kaffeehaus-Groover sind nicht mehr hip.

Sachen wie Kruder und Dorfmeister haben uns sicher geholfen, es war kein Hindernis mehr, aus Österreich zu kommen. Inzwischen hat sich das vielleicht sogar gedreht, aber wir haben uns schon einen guten Namen gemacht – den Eindruck haben wir zumindest. Es gibt zwar die Beatboxer – HipHop-orientiert- und wir haben Kontakte mit Gleichgesinnten bis in die Ukranie, auch Björks Album »Medulla« war sehr interessant, davon abgesehen sind wir noch immer relativ einzigartig was unsere Vocal-Only-Herangehensweise an elektronische Musik betrifft.

Das alte Vorurteil von der »Seelenlosigkeit« der »Maschinenmusik« ist ja anscheinend nicht umzubringen. Hatte das mit Eurem Ansatz irgendetwas zu tun, in dem Sinne: wir machen »Maschinenmusik« mit unseren Stimmen und führen das Klischee ad absurdum?

Das spielte überhaupt keine Rolle. Wir kennen uns alle ja schon länger und haben uns für Black Music und Elektronische Musik interessiert und es auf unsere Art und Weise umgesetzt – ohne etwas demonstrieren zu wollen. Mitte, Ende der 1990er war Drum’n’Bass und auch Downbeat sehr spannend. Dieser Einfluss war (und ist) auch bei uns hörbar. Derzeit gibt es sicherlich eine gewisse Stagnation in der elektronischen Musik, Grime vielleicht ausgenommen.

Ihr tretet an sehr verschiedenen Orten auf – Clubs auf der einen, Jazzfestivals auf der anderen Seite. Wie reagiert das unterschiedliche Publikum auf Eure Musik?

Je weiter südlich wir spielen, desto eher gehen die Leute gleich voll mit. Im Norden, Deutschland zum Beispiel, da wird zuerst einmal reflektiert … Die Leute auf den Jazzfestivals sind in der Regel älter und es ist interessant zu beobachten, wie sie sich nach einer Eingewöhnungsphase langsam auf den Sound eingrooven. Offenbar spielt es eine große Rolle, dass diese Musik mit der menschlichen Stimme erzeugt wird und viele Leute darüber einen ungewöhnlichen Zugang zur elektronischen Musik finden können.

Gibt es einen Ort, wo Ihr unbedingt noch auftreten wollt?

Gibt es, beim Sonar-Festival. Es ist der beste Ort, der auf dem Sektor elektronische Musik existiert, es wäre quasi der »Ritterschlag«.

Ich danke für das Gespräch.

Tourdaten:

02.12.05 treibhaus innsbruck
03.12.05 conrad sohm dornbirn
12.01.06 eurosonic festival groningen (NL)
26.01.06 posthof linz
27.01.06 komma wörgl
28.01.06 orpheum graz

Frankreich-Tour: 23.2.- 4.3.06
Deutschland-Tour: für Februar 2006 in Planung