Jackie-O-Motherfucker

»Bloom«

Textile Records

Wenn etwas blüht, dann wuchs es. Im Umkehrschluss heißt das leider nicht, dass alles blüht, was irgendwann gewachsen ist. Blühen, das ist ein überaus seltener und flüchtiger Zustand. Und wenn etwas blüht, blüht irgendwann gar nichts mehr. Verwelkt und verdorben, so schaut’s aus in der Natur der Dinge. Sobald also etwas erblüht, ist es meist auch bald wieder vorbei mit dem Blühen, was schön ist, weil etwas zu Ende geht und Neues kommt, das Altes ist. Wer bitteschön kann das in einer Welt der vorgetäuschten Veränderung denn sonst noch von sich behaupten? »Bloom« heißt jedenfalls die neue Platte von Jackie-O-Motherfucker. Und blühen tut dort einiges. Es ist ein Album, das sich langsam öffnet, wie die feinen Blätter einer seltenen Pflanze, und dann für eine dreiviertel Stunde in hellen Farben bunt erblüht, bevor es vergeht und nichts mehr zurücklässt, außer dem bestialischen Gestank der Endlichkeit. Sechs Stücke – kaum eines kürzer als sechs Minuten – beleuchten einmal mehr die experimentellen Grundpfeiler des amerikanischen Improvisations-Post-Everything, ohne dabei allzu viel nackten Beton freizulegen. Tom Greenwood, der Capo dieser 1994 in Oregon, Portland gegründeten Gruppe, hat sich dafür schließlich mächtig ins Zeug gelegt. Das Kollektiv von JOMF wurde drastisch auf seine Kernelemente reduziert, wobei man wissen muss, dass auch das nur eine lose Sache ist. Immerhin 40 Musiker*innen haben sich über die Jahre die aufpolierte Klinke in die Hand gegeben. Nur Greenwood, der blieb immer. Mit dem elften Studioalbum gelingt der Band mit dem wilden Namen eine wunderbare Platte zwischen experimentellen Rock- und harmonischen Jazz-Elementen. Geworden ist es ein Album, das sich im Entstehungsprozess befindet und doch fertig wirkt. Fast ist es so, als sehe man mit einiger Entfernung zum Geschehen dabei zu, wie sich alles auf wundersame Weise fügt und eine Platte entsteht, die für die verquirlten Verhältnisse der Gruppe richtiggehend zuträglich ist.