To Rococo Rot

»Instrument«

City Slang

Es spricht für To Rococo Rot, dass sie selbst 18 Jahre nach ihrem ersten Album noch völlig neue Wege einzuschlagen bereit sind. Soundästhetisch stößt man hier zwar auf Vertrautes, dennoch öffnet sich mit »Instrument« für die Berliner Band ein neues Kapitel. Die ansonsten rein instrumental musizierenden To Rococo Rot haben für das neue Album nämlich einen Gastvokalisten ins Studio geholt. Und dieser hört auf keinen geringeren Namen als Arto Lindsay und war als Gitarrist, Produzent und eben auch als Sänger an so mancher Wegmarke der Avant-Pop-Geschichte beteiligt. Die drei Songs mit Lindsay zählen zu den besten des Albums. Etwa »Classify«, das auf wenig mehr als einzelnen Piano-Tupfern, einem akzentuierten Bass, zarten Drums und einer unaufdringlichen elektronischen Textur fußt. Oder »Longest Escalator in the World«, das sich sphärisch aufbäumt und wilde Bilder im Kopf evoziert. Selbstredend sind auch die verbleibenden Instrumental-Tracks gewohnt stark. To Rococo Rot zeigen sich firm in der langen Geschichte deutscher elektronischer Musik (in diesem Fall: von Tangerine Dream über Oval zu The Notwist), stellen mit »Instrument« aber wieder einmal ihr Vorwärtsdenken und ihren Tatendrang unter Beweis. So energisch wie auf »Spreading the Strings Out« hat man sie selten gehört. Ein prägnantes Piano-Motiv fungiert hier als Grundlage für einen hypnotischen Jam. Ebenfalls recht flott unterwegs sind To Rococo Rot mit dem krautigen Shuffle »Down in the Traffic« oder dem leicht IDM-infizierten »Pro Model«. Und auch auf ihre eigentliche Stärke besinnt sich die Band: In »Gitter« kreieren sie jene brüchige Schönheit, die aus dem Zusammenspiel analoger Instrumente und elektronischer Farbsprenkel entsteht.