tangk
Idles

»Tangk«

Partisan Records

Das Quintett aus Bristol, eines der Aushängeschilder britischen Punks, widmet sich auf seinem fünften Album dem großen Thema Liebe. Deswegen kommt vieles bedächtiger daher, als man es von den Idles gewohnt ist. Man präsentiert sich lyrisch, introspektiv, und Sänger Joe Talbot selbst sagt über das Album: »Dies ist unser Album der Dankbarkeit und der Kraft. Alles Liebeslieder. Alles ist Liebe.« Zumindest letzterer Satz, mag er auch für das Album selbst gültig sein, wird den Realitycheck in unserer Welt nicht bestehen, aber gut, über schlimme Zustände haben sich die Idles vielfach ausgelassen. Es geht auf »Tangk« experimentierfreudig hin und her, auf angesprochene Bedächtigkeit folgt Idles-typische temporeiche Krach-Ekstase. Ein Highlight ist »Dancer«, eine gelungene Zusammenarbeit mit dem LCD Soundsystem. Manches wirkt hingegen wie Füllmaterial, etwa das sich dahinschleppende »Grace«, mit gutgemeinten Textzeilen, mit denen man selbst beim Poetry-Slam keinen Preis bekäme: »No god, no king / I said love is the fing«, also »thing«. Für deutschsprachige Hörer*innen ist das Stück »Pop Pop Pop« auffällig, wegen des akzentuierten Wortes »Freudenfreude«. Das hat sich vor zwei Jahren mal jemand bei der »New York Times« ausgedacht, es soll die Freude über den Erfolg einer anderen Person beschreiben (in den hiesigen Sprachgebrauch hat es Freudenfreude aber nicht geschafft). An Erfolg mangelt es den Idles nicht, das wird auch »Tangk« wieder beweisen. Dennoch, der Versuch, viel Neues zu wagen, wirkt nicht immer überzeugend. Wahrscheinlich für die meisten ein weniger in Erinnerung bleibendes Album als der Vorgänger »Crawler« oder das Debüt »Brutalism«.

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Text
Jannik Eder

Veröffentlichung
22.02.2024

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